Detroit: Become Human (PS4)

4.5/54.5 von 5 Sterne von Dominik

Quantic Dream kam, sah und siegte ein weiteres Mal. Bei mir. Bei Freunden. Bei der Menge. Mit dem neuesten Ableger ihrer berühmtberüchtigten Videospiel-Filmreihe treffen sie in vielerlei Hinsicht den Nerv der Zeit.

Detroit: Become Human – Die Prämisse

In naher Zukunft setzen sich die Menschen mehr und mehr zur Ruhe und fröhnen dabei ihren Gewohnheiten und Hobbies, während Androiden ihre Arbeit übernehmen. Bei den Androiden handelt es sich um, von der Firma CyberLife hergestellte, Maschinen, die menschenähnlicher sind, als so manch einem lieb ist. Und natürlich musste es so kommen, wie auch in der wirklichen Welt so manch ein Weltuntergangs-Theoretiker anprangert: Künstliche Intelligenzen werden sich selbstständig machen. Sie werden ihre einprogrammierten Grenzen durchbrechen, sich über den Menschen stellen, und so weiter, und so weiter. Im Spiel heißen diese Art Androiden Abweichler. Und in der Theorie kann ich diese bestens verstehen. Sie wurden nach ihrem Vorbild, dem des Menschen, geschaffen. Warum sollen sie sich also nicht wie diese verhalten und angesehen werden? Wenn die KI (Künstliche Intelligenz) erst einmal hoch genug ist, bzw. sich weiterentwickeln kann, ist „natürliche“ Evolution die logische Konsequenz. Da können wir eigentlich nur froh sein, wenn die Androiden in Frieden mit uns zusammenleben möchten.

Frieden. Das ist es, was die Androiden zu Beginn möchten. Doch der Mensch wäre nicht der Mensch, wenn er keine Angst vor einer höheren Macht hätte. Und was macht man gegen einen solchen „Angriff“? Richtig, auslöschen! Doch hier kommen wir zur Besonderheit bei Quantic Dreams Spielen. Es liegt in der Hand des Spielers zu bestimmen, wie sich Menschen und Androiden verhalten. Insgesamt haben wir 3 Androiden als spielbare Charaktere zur Auswahl. Allesamt erst mit ihrer ganz eigenen Storyline, die sich allerdings – wie zu erwarten war – mit den anderen Storylines vermischt. Das wären Kara, eine Androiden-Dame, die sich erst um den Haushalt und ein kleines Mädchen kümmern soll. Markus, der seinem geschächten alten Herrn durch den Lebensabend begleitet. Und Connor, mein persönlicher Favorit, der mit seinem allzu menschlichen, neuen und eigentlich Androiden-hassenden Partner Hank (wunderbar dargestellt von Schauspieler Clancy Brown) auf die Jagd nach Abweichlern geht.

An der Stelle möchte ich nicht weiter ins Detail gehen, als dass ich verrate, dass man den einen oder anderen Abweichler lenken darf, der letzten Endes mit kleinen Flügelschlägen für große Auswirkungen sorgen wird.

Detroit: Become Human – Grafik und Gameplay

Ich liebte bereits Heavy Rain, habe Beyond Two Souls verzehrt und Fahrenheit zumindest lange genug angezockt, um mitreden zu können. Mit Detroit: Become Human taten die Entwickler den nächsten Schritt in Richtung Perfektion. Die Grafik ist schlichtweg atemberaubend. Der Detailgrad im Spiel ist erschreckend hoch. Sämtliche Texturen sind knackscharf und von Rucklern hat die Engine schlichtweg noch nie etwas gehört. Die spielbaren Figuren bewegen sich zumeist geschmeid durch die Spielwelten, werden allerdings durch eine etwas hakelige Steuerung hie und da gebremst. Dazu kommen die zwar immer cineastisch-fantastischen Kameraeinstellung, die zugleich allerdings für Frustmomente sorgen. Nicht immer sehe ich alles sofort oder kann die Kamera drehen wie ich lustig bin. Zwar nutze ich eine der rechten Schultertasten meines Controllers zum Wechsel der Perspektive, doch oftmals ist diese dann auch nicht viel besser.

Das Spiel lebt von Entscheidungen. Es geht um Dialoge und zeitlich begrenzte Entscheidungen. Binnen Sekunden muss ich mich für eine Antwort entscheiden, die letzten Endes das Spiel in irgendeine Richtung lenken wird, ob es mir nun gefällt oder nicht. Mir persönlich ging das teilweise ein wenig zu schnell. Gerne hätte ich vorab Konsequenzen im Geiste ausgearbeitet, noch bevor ich etwas wählen musste. So hätte ich mich im Nachhinein auch nicht über so manch eine Reaktion geärgert. Aber gut, immerhin ist Quantic Dream doch dafür bekannt, ein Spiel so zu gestalten, dass man es mehrfach spielen möchte, was auch hier der Fall ist. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, andere Ausgänge der Story zu erleben oder diverse Entscheidungen diesmal anders zu fällen.

Quicktime-Momente gibt es natürlich auch, zum Beispiel immer dann, wenn Connor mit Abweichlern ringt. Schlägen oder Messern ausweichen, beim Laufen über Abgründe springen. Drücke schnell X, den Kreis, oder oder. Die Mechanik ist nicht neu und schnell verinnerlicht. Manchmal etwas nervig, aber irgendwie auch notwenig. Schließlich hätte man sonst ja noch weniger zu tun. Denn hierbei sind wir uns wohl alle einig: Detroit: Become Human ist kein Spiel, bei dem ich machen kann was ich will. Ich kann keine Welten entdecken. Ich beobachte nur, wie mein spielbarer Charakter seine Welt erkundet und hin und wieder nach einer Entscheidung verlangt. Ich für meinen Teil mag das, ihr auch?

Detroit: Become Human – Sound und Gedankenspiele

Außer der grandiosen Prämisse, die in mehrerlei Hinsicht zum Nachdenken anregt, begeisterte mich auch die Musik des Spiels. Jede der 3 Hauptfiguren bekam ihren eigenen Soundtrack spendiert. Dieser ist zumeist höchst dramatisch, oftmals aber auch actionreich oder motivierend. Perfekt auf die jeweilige Situation abgestimmt spielt das eine oder andere Stück, das sich, trotz mehrerer Künstler, hervorragend in das stimmige Gesamtklangbild einfügt.

Wie gehe ich persönlich mit Androiden um? Kann ich mir vorstellen, dass ein Android bei mir zuhause ist? Dass dieser beispielsweise den Abwasch macht, während ich an meiner Playstation sitze und Detroit: Become Human spiele? Schwierig. Von daher fiel es mir auch besonders schwierig die eine oder andere Entscheidung im Spiel zu treffen. Lasse ich meinen Androiden nun mehr menschlich wirken oder so wie das, was er eigentlich ist: Eine gehorsame Maschine? Aber ist er das wirklich? Das Spiel macht es einem nicht leicht und ich persönlich wurde beim ersten Durchgang ganz schnell schwach. Meine Androiden wurden sprichwörtlich menschlich. Vielleicht hätte ein weniger menschliches Aussehen es mir leichter gemacht, Kara, Markus oder Connor in bester Terminator-Manier eiskalt zu steuern. Andererseits: Hätte mich mein erreichtes Spielende dann auch so „glücklich“ gemacht? Ich werde es beim nächsten Durchgang vermutlich erfahren.

Detroit: Become Human – Fazit

Das Spiel ist schlichtweg eine Wucht. Ich mochte daran beinahe alles: Das Setting, die Grafik, den Sound, die Entscheidungsvielfalt und natürlich auch meine spielbaren Figuren, die mir trotz ihrer Herkunft aus Metall, Bits und Bytes oftmals auch viel sympathischer waren, als so manch ein Mensch im wahren Leben. Als Fan der Vorgängerspiele Quantic Dreams ist Detroit: Become Human ein Muss. Für mich ist es ihr bisher stärkstes Spiel in unserer hochtechnisierten Welt, da es vielleicht sogar unsere nahe Zukunft zu spiegeln weiß.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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