Prison Architect

Filmherum:4/54 von 5 Sterne von Dominik
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4,00 von 5 Sterne (1 Bewertung(en))

Prison Architect – wenn furchtbare Optik auf fordernd-deprimierendes Spielprinzip tritt.

Alleine die Grundidee gefiel mir unheimlich gut – ein eigenes Gefängnis leiten. Genau das motivierte mich dazu, Prison Architect zu spielen. Schnell war das Spiel bei Steam geladen, schnell war es gestartet, genauso schnell schreckte mich die Grafik ab. Beim Zoom-in Pixel ohne Ende, beim Zoom-out nichts wirklich anderes als das, was ich vor Jahren in Paint gemalt hätte. Die Figuren schweben in ihren symmetrischen Formen über die Böden, die Räume sind so trist wie lieblos. Moment, letzteres passt ja nun wirklich zum Gefängnis…

Ich hatte bereits die bedrückende Ehre, ein Gefängnis von innen zu sehen, nicht als Insasse, sondern zum Glück nur als Besucher – einem guten Freund, der dort arbeitet, sei dank. Das Erlebnis an diesem Tag war erschreckend. Denn sobald sich die stahlverstärkte Tür zum Zellentrakt öffnet, befindet man sich in einer anderen Welt. Einer Welt ohne Heiterkeit, ohne Freude, ohne irgendwas. Gefängnis ist die Hölle. Umso besser, wenn man nicht selbst drin steckt, sondern vielleicht eines leiten kann – und dann bitte nur im Spiel. Wie gesagt, diese Idee motivierte mich bei Prison Architect auf den Startknopf zu drücken.

Grausame Welt

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Ja, die Optik ist schlimm, genauso schlimm wie der Gefängnisalltag, was einem bereits bei der ersten Mission gnadenlos vor Augen geführt wird. Denn genau dort geht es darum, jemanden auf den elektrischen Stuhl zu setzen. Dieser muss natürlich erst noch installiert werden, Stromleitungen verlegt, usw. Und siehe da, sobald die administrativen Tätigkeiten abgeschlossen sind, gibt es kleine Ingame-Szenen in ansehnlicher Comic-Optik zu bestaunen – das gesamte Spiel über unterlegt mit einem wahrlich bedrückendem Soundtrack. Schon früh hatte ich das Gefühl, dass Prison Architect nicht der Spaß wäre, den ich eigentlich erwartete, sondern viel mehr in Richtung Realität ging, als mir lieb war.

Feuer!

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Mission 2: Ich muss ein Feuer löschen! Im Gefängnis ist Feuer ausgebrochen, Gefangene sterben – so auch meine Feuerwehrleute, die ich dummerweise mitten ins Feuer schicke. Warum? Ich hatte keine Ahnung, wie ich löschen muss. Erst nach und nach erlernte ich die Steuerung über teils abstruse Tastenkombinationen, erklärt in versteckten Menüs. Prison Architect ist nicht schnell erlernt und wird von Mission zu Mission schwieriger – schwieriger in Anführungszeichen. Man muss sich einiges merken, bestimmte Wege korrekt beschreiten und Abscheulichkeiten ertragen.

Je Mission erzählt Prison Architect eine durchaus gelungene, in sich verstrickte Geschichte, die einem Figuren näher bringt und die allgemeine Depression aufrecht erhält. Prison Architect war für mich vor allem eines: Harter Tobak! Das Spiel hat mich so gefesselt wie fertig gemacht. Spaß machte es im eigentlichen Sinne nur selten. Vielmehr fühlte ich mich irgendwann wirklich verantwortlich für die Leitung eines Hochsicherheitstrakts. Ich wurde selbst gefangen genommen vom fordernden Spielprinzip und dem steigenden Schwierigkeitsgrad. Der Soundtrack tat dazu sein übriges.

Prison Architect ist ein besonderes Spiel, oft näher an der Realität, als einem lieb ist. Dafür aber vergeht schon nach wenigen Minuten Spielzeit dieses Gefühl der Abneigung der Grafik gegenüber. Schnell erkennt man Persönlichkeiten in den schwebenden Dreiecken und Ovalen, wenn auch wenige. Die meisten orangefarbigen Figuren sind einfach nur da und belanglos, was oftmals schade ist. Aber – ihr dürft genau jetzt geschockt sein – mit so manch einem Verbrecher hat man sogar Mitleid. Denn die erzählten Geschichtchen sind so kurz wie ergreifend – großartige Leistung von den Machern, ganz ehrlich!

Storymodus, endloses Spiel und Ausbruch

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Prison Architect bietet den wirklich gelungenen Story-Modus, die Möglichkeit in die Haut eines oder mehrere Verbrecher zu schlüpfen oder einfach nur endloses Spielen, das zum Aufbau des besten Gefängnisses der Welt verführt – mein persönlicher Favorit. Schon in Rollercoaster Tycoon baute ich gerne abseits der Missionen. Sämtliche Modi sind auf ihre ganz besondere Art gelungen und ein Anspielen definitiv wert!

Der Escape Mode ist übrigens seit Version 1.0 neu, die ihr euch jetzt bei Steam holen könnt! Ihr steuert darin einen Verbrecher, dessen Aufgabe es ist, auszubrechen. Interessanterweise nutzt ihr dazu die Pfeiltasten – die anderen Modi bedient ihr vorwiegend mit der Maus. So kommt allerdings hier – wie schon angekündigt – ein gewisses Hotline Miami Gefühl auf. Dieser Modus verpasst dem Spiel einen gänzlich neuen Einschlag und erweitert es auf wirklich großartige Art und Weise!

Schwer, bedrückend, fesselnd

Prison Architect ist ein gelungenes Spiel rund um den Gefängnisalltag für Betreiber und Gefangene gleichermaßen. Ich möchte zwar bezweifeln, dass man in der Realität gleichzeitig mit Aufständen, Feuer und weißderKuckuckwas zu kämpfen hat, aber irgendwie kann man nie wissen. In diesem Sinne, zieht euch warm an für diese teils extrem schwere, bedrückende aber stets fesselnde Simulation im Zeichengewand eines Fünfjährigen.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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