Tall Girls (2011) Filmkritik

Filmherum:4/54 von 5 Sterne von Dominik
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5,00 von 5 Sterne (2 Bewertung(en))

Große, lange Mädchen. „Tall Girls“ zeigte mir, dass meine 1,92m für einen Mann doch mehr als gewöhnlich sind. Und das, obwohl selbst ich lange mit meiner Körpergröße kämpfen musste. Ich war schon immer größer als alle anderen in der Schule. Und das Wörtchen „Bohnenstange“ oder vergleichbares klingt für einen Buben mindestens genauso schlimm, wie für ein Mädchen. Dass aber vor allem heranwachsende Mädchen und Frauen, die größer sind als der Durchschnitt, mit genau diesem Problem zu kämpfen haben, sollte jedem bewusst sein. Der Film offeriert, dass im Endeffekt nicht die genetische Veranlagung, sondern die Gesellschaft schuld ist. Man fühlt sich schlecht, weil man aus einer unnötig herbeiführten Norm ausbricht. Und da ist es egal, ob man viel zu klein, zu dünn, zu dick oder eben zu groß ist. Alles, was nicht „normal“ ist, ist schlecht. Ist das so? Ich sage nein!

In „Tall Girls“ hat die Filmmacherin, 1,86m groß, viele Frauen und Mädchen gefunden und interviewt, die sich mit ihrer Körpergröße durch den Alltag kämpfen. Wobei kämpfen hier vielleicht das falsche Wort ist. Viele von ihnen kommen sehr gut mit ihrer Größe zurecht. Sie modeln beispielsweise, obwohl sie selbst dazu zu groß wären oder besitzen einfach ausreichend Selbstbewusstsein, das im Endeffekt auch der einzig richtige Weg ist.

Tall Girls Szenenbild

Die Doku ist interessant und zeigt offen, mit welchen Problemen diese Frauen konfrontiert sind. Dabei geht es weder um zu kurze Hosen oder zu kleine Schuhe, sondern oftmals die psychischen Probleme, die entstehen, da man aus der Norm ausbricht. Es ist hart zu sehen, wenn junge Mädchen sich Hormonbehandlungen oder – noch schlimmer – Operationen unterziehen, nur um letztendlich wenige Zentimeter weniger zu wachsen. Doch hier zählt jeder Zentimeter. Man lernt es von den Eltern, den Großeltern, Freunden, Verwandten oder Unbekannten auf der Straße: Man ist zu groß. Und das, obwohl man es einfach nicht ist. Man ist, wie man ist. „Tall Girls“ schafft es, einem ein gutes Gefühl zu geben, indem man stolz auf sich ist. Unabhängig davon, wie man aussieht, man ist etwas besonderes. Man muss fest daran glauben und vielleicht noch ein bisschen mehr als andere die Gesellschaft ignorieren.

Ein Model im Film beispielsweise hat genau das geschafft. Sie fühlt sich wohl, hat einen kleineren Freund und ist stolz auf das was sie tut und wie sie aussieht. Selbstbewusstsein ist das Zauberwort. Das wird man vielleicht nicht durch den Film erlangen, aber immerhin wird man einen Schritt in diese Richtung geführt.

Ich denke, dass „Tall Girls“ eine tolle Doku und damit Kraftspender für große Frauen geworden ist.

„Tall Girls“ gibt es hier käuflich zu erwerben.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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