Fast & Furious 6 (2013) Filmkritik

Filmherum:2.5/52.5 von 5 Sterne von Dominik
Besucher:1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(15 votes, average: 3,47 out of 5)

Nach einem fulminanten Intro, das die wichtigsten Geschehnisse aus allen vorhergehenden Teilen in einem rasanten Stylepaket zusammenfasst, erwartet den „Fast & Furious“-Fan der wohl dümmste Film des Franchise.

Im mittlerweile 6. Teil, der nahtlos an „Fast & Furious 5“ anknüpft, wird das Team rund um Dom (Vin Diesel) wieder vereint um einen scheinbar unaufhaltsamen Gegner dingfest zu machen. So zumindest erklärt es unser Allerlieblings Cop Hobbs (Dwayne Johnson), der mehr denn je beweist, dass Muskeln über Verstand gehen. Dom, Brian und Co. rüsten sich zur (tatsächlich so erwähnten) „automobilen Kriegsführung“, die schlussendlich genauso dämlich ist, wie sie klingt.

„Fast & Furious 6“ ist ein Film zum fremdschämen, und das meine ich völlig ernst. Zwar hatte ich durchaus meinen Spaß, schaffte es aber leider nicht, mein Hirn von Anfang bis Ende vollständig zu deaktivieren. Mein Fehler, denn wie konnte ich erwarten, einen insgesamt stimmigen und atmosphärischen Film zu erwarten, wie es nun einmal Teil 4 und 5 waren – ebenfalls von Regisseur Justin Lin. Fangen wir mit der Story an, die es schlichtweg nicht gibt. Ich fragte mich am Ende allen ernstes, um was es jetzt ging. Um einen Microchip? Um die Rückkehr von Letty, die sich praktischerweise an nichts erinnert und uns so auch keinerlei Erklärung schuldig ist? Ich weiß es nicht. Und Regisseur Justin Lin wusste das scheinbar ebenso wenig. Deshalb versuchte er soviel Action und Oneliner in den Film zu packen wie überhaupt nur möglich. Und in der Tat hat das einen Vorteil: Man darf die guten alten Rennen genießen, wie man sie einst im ersten Teil kennen und lieben lernte. Dazu ein treibender Soundtrack, aufregende Kamerafahrten, zum Teil großartige Stunts und – last but not least – sich ständig wiederholende Filmzitate.

Die „Fast & Furious“-Reihe stand eigentlich nie für Realismus. Übertreibungen waren an der Tagesordnung. Doch was hier geboten wird, ist eine bodenlose Frechheit. Trailergucker wissen es bestimmt bereits: Dom und Letty springen über einem tiefen Abgrund mit geschätzten 100 km/h aufeinander zu. Jeder normale Mensch weiß, dass ein Pflaster danach nicht mehr ausreichen würde. Doch nicht so bei „Fast & Furious 6“. Da folgt lediglich ein dummer Spruch aus Dom’s scheinbar ewig offen stehendem und dümmlich grinsenden Mund. Ganz abgesehen natürlich von Vin Diesel’s tiefergelegten Kinn, das man ihm vielleicht nicht negativ anrechnen kann, aber deutlich zeigt, wie erwachsen die Schauspieler wurden und wie sich genau diese Entwicklung mit dem hier dargebotenen Kasperletheater beißt. Denn schließlich war der beherzte Sprung nur der Anfang vom Ende, welches ungewollt für Lachanfälle en masse sorgt.

Gehen wir doch noch kurz auf einige Schauspieler ein. Da hätten wir zum Beispiel Tyrese Gibson alias Roman, der zum Vollidioten schlechthin degradiert wurde und sich alle 5 Minuten selbst durch den Kakao ziehen muss. Und dann war da noch Gina Carano, diese Kämpferin im Schauspieleranzug, der ihr partout nicht passen will. Ein Gesichtszug, keinerlei Ausstrahlung. Andererseits ist sie damit gerade in diesem Teil ziemlich gut aufgehoben, da letztendlich keinem Charakter ausreichend Tiefe verliehen wurde. Man setzte gänzlich darauf, dass man sowieso jeden kennt und aufgrund dessen auch nichts neues mehr über ihn erfahren muss. Deshalb kann er munter drauf losprügeln, wild um sich ballern und Menschen wie Stoffpuppen durch die Gegend werfen. Und abgesehen davon, dass sich rein gar niemand so verhält wie „normale“ Menschen, ist es auch wenig verwunderlich, dass ein Flugzeug bei hoher Geschwindigkeit ca. eine viertel Stunde auf einer scheinbar 100 km langen Start- und Landebahn entlang fährt. Oh Logik, warum musstest du während des Films bei mir um Aufmerksamkeit buhlen?

Fazit

Es war einmal eine mit dem Zuschauer erwachsen gewordene Filmreihe, die scheinbar mit jedem Teil besser wurde, da sie an (Charakter-)Tiefe gewann. Doch irgendwann war es an der Zeit, zurück zu den Wurzeln zu finden und dem Trend der gedankenschonenden Actionfilme zu folgen. Ein großer Fehler, den allerdings nur die wirklich erwachsen gewordenen Fans erkennen werden. Alle anderen hüpfen heiter aus dem Kino, freuen sich über Action, Technomucke, Chicks und geile Karren. Das ist mir nicht genug, da ich weiß, dass es besser geht!

Dom sagt „Fahr oder stirb!“, Justin Lin sagt „Friss oder stirb!“.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan… Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

Jetzt bei Amazon einkaufen und sparen

Das könnte dir auch gefallen!

7 Responses

  1. donpozuelo sagt:

    Als den schwächsten Teil würde ich ihn jetzt nicht bezeichnen. Ich finde hier passt halt wirklich das „Ocean’s Eleven“-Beispiel bzw. „Ocean’s Twelve“. In dem Film waren die Darsteller und Macher auch absolut selbstsicher und haben sich um nichts richtig gekümmert. Und genau das Gleiche ist bei diesem Film passiert.

    Das mit dem Gehirn ausschalten hat bei mir leider auch überhaupt nicht gut funktioniert. Und diese ganzen schlechten One-Liner gingen mir irgendwann einfach nur auf den Sack.

  2. Waldspurger Maik sagt:

    Hallo.

    Tja, da sieht man mal wieder, was das heutige Film-Gedöns so bringt. Und was bringt es? Einen herrlichen Film, bei dem man nicht nachdenken muss, sondern einfach nur zu schauen hat. Wenn dir das nicht passt – schaue tiefgründige Filme, statt den Leuten, die einfach Spass haben wollen, den Film zu vermiesen. Der Film braucht werder Hirn noch Logik zu vereinen. Es ist ein Fast & Furious Film. So wie es sich hier lesen lässt, scheint dich die fehlende Logik überrascht zu haben.

    Ein F&F-Film muss einfach nicht tiefgründig sein! Und wenn sich manche Leute über fehlende Infos aufregen, ist das deren Bier. Die anderen 5 Filme sind auf DVD zu haben – go! Ich würde mir auch nicht (z.B.) Shutter Island 6 anschauen. Wer macht denn so was, ohne die anderen Filme gesehen zu haben? So langsam war der Regisseur wohl der Meinung, dass man die Akteure so langsam kennen mag/sollte.

    Der Film ist ein F&F-Film und darum gehört der einfach zu meinen Must-Kinobesuch!

    • Owley sagt:

      Oh, wieder ein lustiger Kommentar. Ich erlaube mir mal einen Spass mit dir, okay? Heisst, ich nehme dich mal ernst. Aber nur so für… sagen wir… 5 Minuten. Ab jetzt.

      Du sagst, man hat zu Schauen. Kannst du das bitte ausführen? Was denn? Ich sah nichts, das mir mein Eintrittsgeld (sagen wir mal, ich hätte bezahlt für das Ticket) wert war.

      Und wieso glaubst du, dass Dominik den Film irgendwem vermiest? Oder anders gesagt, wer lässt sich von einer Kritik den Film vermiesen? Dominik hat lediglich seine Meinung geäussert, wer sich davon angegriffen fühlt, sollte das Problem bei sich selber suchen.

      Dass ein F&F-Film nicht tiefgründig zu sein hat, da hast du nicht ganz Recht. Erinnerst du dich noch an Teil 1? Der hatte sehr wohl Story neben all den Motoren und schönen Frauen. Aber dass sich die Reihe davon wegbewegt hat, stimmt schon. Nur definiert das nicht, was diese Reihe ist.

      Und warum zur Hölle sollte es Shutter Island 6 geben? Da müssten doch zuerst noch Teil 2-5 kommen, oder? Du verwirrst mich. Sagst du, wenn Shutter Island 6 eine Romanze ist, auch ist, dass sich jene Leute, die Grusel erwarten, irren?

      Ansprüche an Teil 6 einer Reihe stellen, ohne Teil 1-5 gesehen zu haben, da hast du Recht, das ist etwas blöd. Aber Dominik hat Teil 1-5 ja gesehen. Ein weiteres Mal – what’s your point? Und selbst wenn man 1-5 nicht gesehen hat, sollte man als Regisseur einen guten Einstieg bieten. Schliesslich will man ja auch jene Leute in die Kinos locken, die noch keinen Film der Reihe gesehen haben.

      Übrigens: „Kennen mag“ kann man in diesem Zusammenhang nicht so benutzen.

    • Ob man das „Kennen mag“ so benutzen kann oder nicht – es ist grammatekalisch vollkommen korrekt! Zudem kommt noch, dass ich in der Schweiz lebe. Hier spricht und schreibt man nun mal anders. 😉

      Anyway ..

      Du scheinst meinen Punkt nicht so ganz verstanden zu haben. Shutter Island ist ein verzwickter und spannender Film. Würde es Teil 2 – 5 geben, dann sicher auch mit einer verwobenen Story. Jedenfalls glaube ich das nun einfach mal. Wrong Turn wäre da ein schlechteres Beispiel von mir gewesen. Und ja.. Shutter Island als Romanze? Come on. Jeder der den Film kennt weiss, dass das keine Romanze ist. Zudem sieht man einen Film selten im Kino, ohne vorher einen Trailer gesehen zu haben. Ebenso kann man von den Kinogängern erwarten, dass sie ein gruseliges und abgegriffenes Filmlogo sicher nicht in die Sparte Romanze werfen. 😉

      Und das er Teil 1 – 5 nicht gesehen hat, habe ich nie behauptet. Sicher war der erste Teil wohl etwas tiefgründiger als alle anderen (ausgenommen Teil 5 – Hammer!) Episoden dieser Jungs und Mädels. Aber noch einen 2. Teil mit massiven Tuning und Streetraces zu produzieren, lag logischerweise eher Abseits des Drehbuchs. Das wäre zu langweilig gewesen. Brian wollte undercover in die Streetrace-Szene, er hat es geschafft, lässt sich als Cop auffliegen und am Ende bleibt einiges offen. Was will man da noch machen, ausser weiter zu denken und andere Storys zu erfinden. Tiefgründiger als der erste Teil geht es in dieser Serie an Filmen eh nicht mehr. Und das muss ein Kritiker auf jeden Fall mit einbeziehen. Das der 6. Teil keine herausragende Story hat, wusste man schon nach dem 5 .Teil, der wie ich finde, der beste Teil von allen ist. Da war alles vereint, der Streifen machte Spass. Zudem war der Film kamera- und filtertechnisch schön anzuschauen.

      Da geizte der 6. Teil auch nicht unbedingt. Aber so was sollte ein Filmkritiker auch erwähnen. Er vertritt hier zwar seine Meinung, aber die muss noch lange niemanden passen.. schon gar nicht akzeptiert werden. Und wage mal eine Vermutung, wie viele Leute einen Film schon ausgelassen haben, nur weil sie eine Kritik von einem Bubie gelesen haben, der einfach keinen Sinn für Action zu haben scheint.

      Wer in einen F&F-Film geht und sich danach über Aktion, Autos und Techno-Mucke beschwert, hat in meinen Augen die anderen F&F-Teile nur mit einem Auge gesehen. Die Tiefgründigkeit ist in einigen Szenen auf jeden Fall gegeben, nur sieht er das nicht so ganz, denke ich.

      Aber wie du schon sagst: Es ist seine Meinung über den Film, ich akzeptiere das und das wünsche ich mir auch von dir, da ich ebenfalls nur meine Meinung preisgegeben habe.

      Grüsse aus dem Emmental.

    • Der Bubi, der keinen Sinn für Action hat grüßt den anderen Bubwley aus der Schweiz, der ebenfalls keinen Sinn für Action hat. Ich bedanke mich für deine Reaktion und bin der Meinung, dass hier alles soweit gesagt ist. Wir könnten es ja einfach dabei belassen, dass jeder Bubi hinter seiner eigenen Meinung steht – so wie es eben immer bei Kritiken bzw. Ansichten der Fall ist.

      Dennoch ein kurzer Schlusssatz: Wer die Kritik aufmerksam durchliest sollte danach selbst für sich entscheiden können, zu welcher Gruppe er gehört und ob ihm der Film gefallen wird.

  3. Waldspurger Maik sagt:

    Sorry, aber ich habe nicht dich mit Bubie gemeint. Das muss ich noch klarstellen. Das war eher verallgemeinert. Sorry, dass das falsch angekommen ist.

    Ich finde es super, was du hier machst. Zudem würde mich deine Filmkritik zu „Rubber“ interessieren. Darauf warte ich seit Monaten. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.