Anstrengender Luxus: Kino

Ich liebe Filme. Und ein Kinobesuch ist seit meiner Kindheit mitunter das Größte für mich. Doch mehr und mehr schwindet die Leidenschaft Kino aus diversen Gründen, die ich nachfolgend kurz ansprechen möchte.

Die Kosten

Dieser Punkt macht mir persönlich am meisten zu schaffen. Im nächstgrößten Kino kann ich über 15 EUR für einen Film zahlen, inkl. 3D (mag ich eh nicht) und notfalls auch noch Überlängenzuschlag. Dann wären wir da meist zu zweit, sprich 30 EUR. Dazu dann ein kleines Menü, bestehend aus (nur selten frischem) Popcorn und einem Getränk? Das macht dann 10 EUR zusätzlich. Das wären in der Summe grob 40 EUR für einen Film, den ich zuhause für 5 oder weniger ansehen könnte (geliehen). Warum also geht man noch ins Kino? Ist es wirklich die große Leinwand und der Sound? Tut es ein großer Fernseher mitsamt Surround-Anlage nicht auch? Ist es der Drang mitreden zu müssen?

Ich könnte in kleinere Kinos gehen, die ja bekanntermaßen immer mehr aussterben. Doch mein letzter Besuch in einem kleinen Altstadtkino wurde zur Katastrophe. Der Preis mit 7 EUR je Karte war ok. Auch, dass ich einen 3D-Film in 2D sehen konnte. Doch die Soundanlage war überdreht und krachte, Ohrenpfeifen inklusive. Die Sitze waren eigentlich allesamt mehr als grottig und die Leinwand ein mickriger Witz. Schade irgendwie – aber vielleicht auch einfach nur ein Fehlgriff meinerseits?

Furchtbare Menschen

Eigentlich ist es ja schön sich mit Gleichgesinnten einen Film anzusehen. Aber mehr und mehr werde ich das Gefühl nicht los, dass sich fast nur noch Deppen in den Kinos tummeln.

Der Smartphone-Idiot

Jap, ich bin ein cooles Kiddie und muss mehrfach während des Films aufs Smartphone gucken oder auch eine Nachricht versenden. Es kommt ein Anruf mit Klingelton in voller Lautstärke? Ich bin so verdammt cool, dass ich auch noch rangehe…

Der Redebedürftige

Ich muss jede Szene kommentieren, teilweise Sätze komplett nachplappern oder meinem Sitznachbarn Fragen stellen, worauf dieser auch keine Antwort hat. Ich mache es trotzdem in einer Lautstärke, die es schafft Actionszenen zu übertönen.

Der Hibbelige

Ich muss dauerhaft meine Beinposition ändern, am besten indem ich an die Sitzlehne meines Nachbarn vor mir trete. Yeah, Alter!

Werbung, Wartezeiten, Sauberkeit

Wenn ich die Karten nicht vorbestelle und einige Stunden vor der Vorstellung abhole, stehe ich erst einmal in einer langen Schlange. Nun gut, als Mensch steht man sowieso mehrere Monate im Leben an und wartet – man ist es ja gewohnt. Dann begebe ich mich zur Snackbar und – ihr erratet es sicher – warte. In meinem – nicht immer sauberen oder technisch einwandfreien – Kinosessel darf ich dann 30-45 Minuten Werbung und Trailer ansehen. Welch Freude. Ja, letzteres könnte ich mir ersparen, indem ich die Karten sehr viel früher hole und einfach später in den Saal gehe, aber das klappt nunmal nicht immer.

Was spricht für das Kino?

Es gibt Kinos, die bevorzuge. Da stimmt einigermaßen das Gesamtpaket und nervige Menschen nehme ich nur deshalb in Kauf, weil ich einen Film tatsächlich zum Release sehen will. Es ist nicht die große Leinwand, der Sound oder das vergilbte Feeling, es ist die Aktualität. Nicht jeden Film muss ich sofort sehen, aber manch einen eben schon.

Kino war für mich einmal großartig. Nun ist es mehr das notwendige Übel wenn ich für mich etwas sofort sehen will. Dabei ist es mir ziemlich egal, ob ich mit anderen darüber reden kann. Ich möchte den Film jetzt sehen und danach bin ich glücklich, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Wie geht es euch dabei? Es gibt ja unzählige 3D-Fans und bei denen kann ich einen Kinobesuch verstehen. Auch das kommende Dolby Cinema spricht für ein an und für sich tolles Erlebnis. Ich für meinen Teil bringe jetzt einfach einen Spruch für den die Zeit reif ist: Früher war irgendwie alles besser.

Bild Urheber: Shih-Hao Liao

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan… Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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6 Responses

  1. mwj sagt:

    Schön dass mal jemand die vor allem finanziell immer gravierenden Schattenseiten des Kinos thematisiert.
    Meine Freundin und ich waren am Samstag im hiesigen CinemaxX, um uns „Ant-Man“ anzuschauen. Wir hatten Gutscheine im Wert von 30 €. Knapp 25 € haben allein die Kinokarten gekostet. Dazu ein kleines Getränk (0,5l) und ein Eis. Das bedeutete: die 30 € waren weg und ich durfte noch 2,50 € drauflegen. Oder wie es meine Freundin sagen würde: „die 30 € haben den Schlag nicht gehört.“

  2. Gnislew sagt:

    Den finanziellen Aspekt sehe ich nicht mals as das Hauptproblem des Kinos. Es ist meh wie seelenlos die Multiplex-Kinos sind. Lieblose Behandlung des Kunden, oft schlechtes Bild- und Ton und ein Publikum, was redet und Mobiltelefone benutzt! Kino ist der einzige Ort, wo ich froh bin dann Deutschland so ein Syncholand ist. In den OV-Vorstellungen ist das Publikum oft angenehmer und es gibt mehr Filme, die ich einfach schon deshalb im Kino links liegen lassen, weil sie eben nur auf Deutsch laufen.

    • Dominik sagt:

      Nicht das Hauptproblem? Na ich weiß ja nicht. Ich finde schon, dass Kino (zum Teil) Luxus pur ist. Wenn ich überlege, dass man Filme auch für 3-4 EUR sehen kann – zwar außerhalb vom Kino und etwas später – aber mann kann.

      Zwecks Bild und Ton,… ja, das erinnert mich an mein kleines Altstadtkino. Im Grunde hätte ich ja nix gegen etwas Retroflair, aber wenn einem danach die Ohren weh tun…

      Ich persönlich gehe ja nicht in die OVs, bzw. sehe mir auch zuhause keine an. Ich sehe darin kaum Mehrwert, aber das darf jeder für sich selbst entscheiden. 🙂

  3. donpozuelo sagt:

    Oh ja… das mit den Deppen im Kino kann ich sehr gut nachvollziehen… das nervt wirklich sehr. Selbst hier in den Berliner Club-Kinos hat man manchmal das Gefühl, da sitzen die falschen Leute drin. Dennoch bin ich hier in der Hauptstadt schon sehr froh, dass ich eine ziemlich große Auswahl an Kinos habe, die auch gerne mal einen Kinobesuch unter 10 Euro zulassen. Da verzichte ich dann auch gerne mal auf 3D oder Super-Sound.

    mittlerweile versuche ich eigentlich nur noch die wirklich großen Blockbuster „teuer“ zu gucken. Ansonsten nehme ich lieber die kleineren Kinos. Und danke jedes Mal dem Kino-Gott, dass ich wenigstens noch die Wahl habe. Aber in meiner Heimatstadt hätte ich die zum Beispiel auch nicht… und müsste für jeden Mist teuer Geld bezahlen.

    Und damit wären wir dann auch noch bei einem anderen Thema: Die Auswahl… in der Kleinstadt ist man echt angearscht mit geringer Auswahl… da habe ich mir früher öfter gewünscht, so ein Kinobetreiber würde mal nicht nur ans Geld denken, sondern auch mal an den Kino-Fan an sich. Aber das war, ist und wird wohl Wunschdenken bleiben… wenn man bedenkt, dass nur noch die großen Ketten das Sagen haben…

    Es ist schon nicht mehr sooo schön, ins Kino zu gehen. Ich tue es zwar immer noch gerne, aber mittlerweile sage ich mir bei vielen Filmen auch einfach, ich warte aufs Heimkino…

  1. 27. Juli 2015

    […] über alle anderen Arten des Filmeerlebens stellt, auch mal interessant, nachvollziehbare Argumente gegen den Kinobesuch zu lesen und im Gegenzug als Mit-Veranstalter eine Kinoreihe darüber nachzudenken, wie man es […]

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