Fast & Furious 6 (2013) Filmkritik

2.5/52.5 von 5 Sterne von Dominik

Nach einem fulminanten Intro, das die wichtigsten Geschehnisse aus allen vorhergehenden Teilen in einem rasanten Stylepaket zusammenfasst, erwartet den „Fast & Furious“-Fan der wohl dümmste Film des Franchise.

Im mittlerweile 6. Teil, der nahtlos an „Fast & Furious 5“ anknüpft, wird das Team rund um Dom (Vin Diesel) wieder vereint um einen scheinbar unaufhaltsamen Gegner dingfest zu machen. So zumindest erklärt es unser Allerlieblings Cop Hobbs (Dwayne Johnson), der mehr denn je beweist, dass Muskeln über Verstand gehen. Dom, Brian und Co. rüsten sich zur (tatsächlich so erwähnten) „automobilen Kriegsführung“, die schlussendlich genauso dämlich ist, wie sie klingt.

„Fast & Furious 6“ ist ein Film zum fremdschämen, und das meine ich völlig ernst. Zwar hatte ich durchaus meinen Spaß, schaffte es aber leider nicht, mein Hirn von Anfang bis Ende vollständig zu deaktivieren. Mein Fehler, denn wie konnte ich erwarten, einen insgesamt stimmigen und atmosphärischen Film zu erwarten, wie es nun einmal Teil 4 und 5 waren – ebenfalls von Regisseur Justin Lin. Fangen wir mit der Story an, die es schlichtweg nicht gibt. Ich fragte mich am Ende allen ernstes, um was es jetzt ging. Um einen Microchip? Um die Rückkehr von Letty, die sich praktischerweise an nichts erinnert und uns so auch keinerlei Erklärung schuldig ist? Ich weiß es nicht. Und Regisseur Justin Lin wusste das scheinbar ebenso wenig. Deshalb versuchte er soviel Action und Oneliner in den Film zu packen wie überhaupt nur möglich. Und in der Tat hat das einen Vorteil: Man darf die guten alten Rennen genießen, wie man sie einst im ersten Teil kennen und lieben lernte. Dazu ein treibender Soundtrack, aufregende Kamerafahrten, zum Teil großartige Stunts und – last but not least – sich ständig wiederholende Filmzitate.

Die „Fast & Furious“-Reihe stand eigentlich nie für Realismus. Übertreibungen waren an der Tagesordnung. Doch was hier geboten wird, ist eine bodenlose Frechheit. Trailergucker wissen es bestimmt bereits: Dom und Letty springen über einem tiefen Abgrund mit geschätzten 100 km/h aufeinander zu. Jeder normale Mensch weiß, dass ein Pflaster danach nicht mehr ausreichen würde. Doch nicht so bei „Fast & Furious 6“. Da folgt lediglich ein dummer Spruch aus Dom’s scheinbar ewig offen stehendem und dümmlich grinsenden Mund. Ganz abgesehen natürlich von Vin Diesel’s tiefergelegten Kinn, das man ihm vielleicht nicht negativ anrechnen kann, aber deutlich zeigt, wie erwachsen die Schauspieler wurden und wie sich genau diese Entwicklung mit dem hier dargebotenen Kasperletheater beißt. Denn schließlich war der beherzte Sprung nur der Anfang vom Ende, welches ungewollt für Lachanfälle en masse sorgt.

Gehen wir doch noch kurz auf einige Schauspieler ein. Da hätten wir zum Beispiel Tyrese Gibson alias Roman, der zum Vollidioten schlechthin degradiert wurde und sich alle 5 Minuten selbst durch den Kakao ziehen muss. Und dann war da noch Gina Carano, diese Kämpferin im Schauspieleranzug, der ihr partout nicht passen will. Ein Gesichtszug, keinerlei Ausstrahlung. Andererseits ist sie damit gerade in diesem Teil ziemlich gut aufgehoben, da letztendlich keinem Charakter ausreichend Tiefe verliehen wurde. Man setzte gänzlich darauf, dass man sowieso jeden kennt und aufgrund dessen auch nichts neues mehr über ihn erfahren muss. Deshalb kann er munter drauf losprügeln, wild um sich ballern und Menschen wie Stoffpuppen durch die Gegend werfen. Und abgesehen davon, dass sich rein gar niemand so verhält wie „normale“ Menschen, ist es auch wenig verwunderlich, dass ein Flugzeug bei hoher Geschwindigkeit ca. eine viertel Stunde auf einer scheinbar 100 km langen Start- und Landebahn entlang fährt. Oh Logik, warum musstest du während des Films bei mir um Aufmerksamkeit buhlen?

Fazit

Es war einmal eine mit dem Zuschauer erwachsen gewordene Filmreihe, die scheinbar mit jedem Teil besser wurde, da sie an (Charakter-)Tiefe gewann. Doch irgendwann war es an der Zeit, zurück zu den Wurzeln zu finden und dem Trend der gedankenschonenden Actionfilme zu folgen. Ein großer Fehler, den allerdings nur die wirklich erwachsen gewordenen Fans erkennen werden. Alle anderen hüpfen heiter aus dem Kino, freuen sich über Action, Technomucke, Chicks und geile Karren. Das ist mir nicht genug, da ich weiß, dass es besser geht!

Dom sagt „Fahr oder stirb!“, Justin Lin sagt „Friss oder stirb!“.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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7 Responses

  1. donpozuelo sagt:

    Als den schwächsten Teil würde ich ihn jetzt nicht bezeichnen. Ich finde hier passt halt wirklich das „Ocean’s Eleven“-Beispiel bzw. „Ocean’s Twelve“. In dem Film waren die Darsteller und Macher auch absolut selbstsicher und haben sich um nichts richtig gekümmert. Und genau das Gleiche ist bei diesem Film passiert.

    Das mit dem Gehirn ausschalten hat bei mir leider auch überhaupt nicht gut funktioniert. Und diese ganzen schlechten One-Liner gingen mir irgendwann einfach nur auf den Sack.

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