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  • 22. Dez 2016      4

Buch oder Film?

harry-potterOder Hörbuch? Oder Comic? Nun, es ist ein Thema, das nicht nur Film- oder Literatur-Blogger seit jeher beschäftigt. Was ist besser? Warum ist dies oder das besser? Ich für meinen Teil denke auch hin und wieder gerne darüber nach, verwerfe den Gedanken dann aber auch schnell wieder. Meiner Meinung nach führt das doch zu nichts. Das ist wie in einer Xbox One-Community zu posten, dass die PS4 beim selben Spiel die bessere Grafik bietet.

Grund zum Anlass gab allerdings ein Blogbeitrag bei audible, der sich dem Thema Buchverfilmungen widmet und dieses äußerst lesenswert analysiert.

under-the-domeWie ist das also bei mir? Lese ich lieber das Buch oder sehe ich mir lieber den Film an? Bzw. wenn ich beides mache, was kommt zuerst? Früher war das ganz einfach: DER FILM! Bücher lesen? Ja, war ok, doch ein Film war doch so schön unterhaltsam und in nur 2 Std. abgearbeitet. Danach konnte man ja… äh, noch einen Film sehen? Heute sieht das ein wenig anders aus. Die Kunst des Lesens entdeckte ich schon früh für mich. Doch eine wahre Leidenschaft dafür entwickelte ich erst vor einigen Jahren. Ich lernte einmal mehr Kind zu sein. Ich lernte wieder mit meiner Phantasie zu spielen, die mir die Filme immer so großzügig wie eine Last von den Schultern genommen hatten. Im Augenblick beispielsweise „lese“ ich „The Dome“ von Stephen King. Warum „lesen“ in Anführungsstrichen steht? Ich höre es. Als Hörbuch, über oben genanntes audible, denen ich mittlerweile eine beachtliche Hörbuchsammlung verdanke. Zurück zu „The Dome“. Interessanterweise hatte ich vor 2 oder 3 Jahren die erste Staffel der Serie gesehen, ohne je das Buch gelesen zu haben. Ich fand die Serie ganz ok. Das Buch jetzt hingegen finde ich ganz großartig. Man muss dazu natürlich wissen, dass ich Kings Werke sehr schätze („Der Anschlag“ ist mein Lieblingsbuch schlechthin). Jedenfalls würde ich daher sagen, dass Bücher besser sind. Doch verallgemeinern kann man das nicht.

Es stimmt, dass Bücher zumeist mehr Inhalt bieten. Dadurch hin und wieder mehr Details und Hintergrundinfos. Schöner verknüpfte Nebenhandlungen und packende Gespräche. Doch nicht selten ist es auch so, dass Bücher unter seitenweise Leerlauf leiden. So auch viele Bücher von King, der zumeist erst ab der Hälfte so richtig in die Gänge kommt. Filme hingegen picken sich (oftmals) nur das Beste heraus, reichern es entweder irgendwie an oder sieben es bis zur Enttäuschung aus. Man sieht: Filme können genauso gut oder schlecht sein wie Bücher. Es kommt auf zahlreiche Faktoren an.

driveNehmen wir „Drive“. Auch hier hatte ich den Film gesehen, noch bevor ich das (dünne) Buch lesen konnte. Und siehe da: Im Nachhinein gefiel mir der Film immer noch besser als das Buch. Ja, ich hatte Bilder vor Augen. Gosling würde nun immer mein Driver sein. Doch insgesamt hatte der Film derart viel Style und eine unglaublich gute Machart, da konnte das extrem querverzweigte Buch nur selten mithalten.

Hörbücher, Bücher oder Comics? Filme sind eine Nummer für sich. Nicht umsonst heißt der Blog hier Filmherum. Und nicht umsonst findet sich auch ein „herum“ in diesem unglaublich kreativen und genialen Wortspiel. (Mir selbst auf die Schulter klopf.) Dieses „herum“ steht für weitere Medien. Vieles, das mich interessiert und das mir gefällt. So unter anderem auch Comics. Ich liebe Comics dafür, dass in ihnen theoretisch alles möglich ist. Geschichten sind auf ein Minimum an Text reduziert und funktionieren in Einklang mit den Zeichnungen dennoch (oft) hervorragend. Sind Erzähler und Zeichner sogar richtig brillant, geben sie nur einen groben Weg vor und überlassen den Rest der Phantasie. So etwas liebe ich. Hörbücher – sie sind ein Mittel zum Zweck. Viel lieber würde ich die Bücher selber lesen. Doch durch meine langen Fahrten von und zur Arbeit schaffe ich so zahlreiche Bücher, für die ich anderweitig einfach keine Zeit finden würde. Und noch dazu: Die Leser sind oft derart überzeugend, dass beste Unterhaltung vorprogrammiert ist, beinahe schon unabhängig von der Qualität der Geschichte. (Wirklich nur beinahe.)

WAS IST JETZT BESSER? Nichts. Gar nichts. Alles ist gleich gut. Und jeder darf entscheiden, was er am liebsten macht. Ein Buch lesen? Auf den Film warten? Eine Serie hamstern? Den Comic mit auf die Toilette nehmen? Schlussendlich ist es – wie eigentlich immer – völlig egal was andere sagen. Widmet euch dem Medium, das ihr liebt. Und wenn ihr ein Buch gelesen, nein, verschlungen und damit geliebt habt – wundert euch nicht, wenn der Film entweder gar nicht heranreicht oder einfach nur großartig umgesetzt wurde. (Letzteres erlebte ich in frühester Zeit mit „Der Marsianer„).

Also: Wenn ihr jetzt Lust habt, dürft ihr gerne kommentieren und mir eure Meinung zu diesem Thema nennen. Gerne dürft ihr auch darauf bestehen, dass irgendein Medium grundsätzlich das Bessere ist. Ich werde es euch nicht übel nehmen. Vermutlich. 😉

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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4 Responses

  1. Sebastian sagt:

    Sehr schön geschrieben und vor allem sehr wahr. Ich kann diese Glaubenskriege von wegen „Das Buch ist besser als der Film, du Cretin!“ und „Ey Alter, chill ma, der Film rockt das Buch an die Wand“ (ja, ich wähle die klischeehafte Ausdrucksweise jetzt ganz bewusst) nicht nachvollziehen. Denn wie du schon sagst, pauschalisieren kann man das nicht. Es gibt tatsächlich (wenige) Buchverfilmungen, die mir besser gefallen haben als die literarische Vorlage. Ebenso gibt es wahnsinnig viele Bücher, die leider nur mäßig verfilmt wurden. Und es gibt die Bücher, die nach Filmen geschrieben wurden – und tatsächlich dennoch gut sind. Alles eine Frage der persönlichen Vorlieben.

    Kritisch wird es immer dann, wenn eine Buchvorlage tatsächlich etwas schafft, was unmöglich für jeden Leser zufriedenstellend verfilmt werden kann. Ich habe zuletzt „Armageddon Rock“ von George R.R. Martin gelesen. Ein wirklich brillantes Buch, welches Fantasy, Mystery und amerikanische Popkultur miteinander vermischt. Es handelt sich um eine fiktionale Band, die Nazgûl, deren Musik auch sehr detailliert beschrieben wird. Anders als bei vielen anderen Büchern habe ich dieses Mal nicht nur Bilder vor Auge, sondern auch die (nicht existierenden) Songs im Ohr gehabt. Geile Erfahrung als Leser, aber wie will man so ein Thema filmisch adäquat umsetzen?

    • Dominik sagt:

      Danke erst einmal. Freut mich, wenn der Beitrag gut aufgenommen wird.

      Siehst du, Bücher, die auf Filmen basieren – darauf bin dann nicht mal ich gekommen. Aber übertreiben muss man es nun wirklich nicht. 🙂

      Aber wenn wir schon bei George R.R. sind, der Gute soll mal lieber seine Lieder zum feurigen Eis in Bewegung bringen, sonst zieht HBO mit 12 Staffeln Vorsprung davon. Andererseits nehme ich „Armageddon Rock“ sehr gerne als Tipp auf. Ich hatte schon öfter lesen dürfen, dass das eine oder andere Buch dieses Autors, fernab der Kopfab-Werke, auch sehr lesenswert sein sollen.

  2. phyxius sagt:

    Nachdem ich erkannt habe, dass ich die Geschichte in dem Medium, welches ich zuerst konsumiert habe, grundsätzlich besser fand als in dem darauf folgenden, versuche ich seit einiger Zeit schon, diese Vergleicherei zwischen den Medien zu vermeiden. Letztlich ist es ja wumpe, ob mir eines davon besser gefällt als das andere, denn konsumiert habe ich ja dann beide schon. Wenn ich an eine Buchverfilmung mit der Frage herangehe, ob das Buch gut umgesetzt wurde, dann bin ich von Anfang an dem Film kritischer eingestellt und finde die Fitzelchen, die „falsch“ sind und mache mir so einen für sich genommen guten Film schlechter, als er ist. Also kann ich es auch gleich lassen, Masochismus brauche ich nicht. 🙂
    Viel eher frage ich mich in letzter Zeit bei verfilmten Geschichten immer, ob der Film dem Buch irgendwas hinzufügt und die Geschichte dadurch besser macht oder neue Sichtweisen darauf zulässt; also, ob die Verfilmung „nötig“ war. Ein Beispiel für eine absolut „nötige“ Buchverfilmung ist „Cloud Atlas“, wo der Film zwar die Handlung nahezu eins zu eins übernimmt, die Erzählstruktur des Buches aber völlig verwirft und so ganz viele Interpretationsmöglichkeiten und Verknüpfungen innerhalb der Episodenstruktur der Erzählung aufzeigt, die mir beim Lesen des Buches – das ich so schon grandios fand – nicht alle aufgefallen sind und mir so ein Plus gegeben hat. Da war die Verfilmung „nötig“. Im Gegensatz zur „Watchmen“-Verfilmung, wo das Buch bzw. der Comic eine meiner besten Leseerfahrungen der letzten Jahre war, der Film die Story aber einerseits in Bildern und Dialogen oft komplett übernimmt, dann aber entscheidende Details der Handlung rauslässt und so nur eine abgespeckte Bewegtbildversion des Buches darstellt. Hab ich deshalb nicht gebraucht.

    Spannend wäre mal ein Projekt, bei dem nur ein grober Handlungsabriss vorliegt, den dann unterschiedliche Künstler jeweils in die diversen Medien übersetzen müssen.

    • Dominik sagt:

      Ja, die Notwendigkeit eines anderen Mediums kann wirklich immer bezweifelt werden. Aber wie du schon sagst, manchmal können Verfilmungen durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. „Cloud Atlas“ ist ein schöner Hinweis. Den Film fand ich sehr gut, das Buch hatte ich leider nie gelesen. Werde ich bei Zeit nachholen. „Watchmen“ hingegen gefiel mir beides auf seine jeweilige Art und Weise. Klar, die Comicvorlage ist grandios. Doch auch der Film landet bei mir immer mal wieder im Player. Es sind eben die fantastischen Bilder und die bestens besetzten Figuren. Ich liebe ja Rorschach, bzw. Jackie Earle Haley in dieser Rolle.

      Zwecks deinem letzten Absatz. Als ich das gelesen hatte, lag mir sofort etwas auf der Zunge. Leider will es davon nicht runter. Meiner Meinung nach gibt es das schon, mir fällt es allerdings nicht ein. 🙁

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