The Act of Killing (2013) Filmkritik

Filmherum:4/54 von 5 Sterne von Dominik
Besucher:1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(2 votes, average: 4,50 out of 5)

„The Act of Killing“ erscheint genau heute auf DVD und Blu-ray. Die Dokumentation über den Massenmörder Anwar Congo ohne Reue ist dabei so kontrovers wie genial. Dem Trailer nach hätte ich noch gedacht, dass Anwar Congo im späteren Verlauf in irgendeiner Art und Weise Bedenken äußern würde, aber weit gefehlt.

Regisseur Joshua Oppenheimer stellte es ganz geschickt an. Er bat Anwar Congo darum, von seinen Gräueltaten zu erzählen, wie es ihm beliebt. Er darf dabei gerne selbst Szenen nachdrehen und tun und lassen, was er will. Daraus entstand ein Werk, das nach Drehbuch nie so offen hätte sein können. Andererseits hätte ein Drehbuch zum Wohle des Erzählflusses nicht im geringsten geschadet.

Anwar Congo redet frei und beängstigend über all das, was er und seine Kameraden getan haben. Von Reue oder Gewissen keine Spur, und damit das genaue Gegenteil von dem, was Oppenheimer eigentlich erreichen wollte. Zwischen 500.000 und 2.000.000 Menschen sind Mitte der 60er Jahre staatlich sanktionierten Todestrupps in Indonesien zum Opfer gefallen. Anwar Congo war einer dieser Mörder und rühmt sich auch heute noch mit seinen Taten. Für die Dokumentation trommelte er noch ein paar seiner Killer-Kameraden zusammen und erzählt stolz erhobenem Hauptes, was sie doch gutes für das Land getan hätten. Und da hilft es auch nicht, wenn sich Propagandavideos als manipulierend herausstellen, Anwar Congo hält an seinem Glauben fest. Kein Wunder, da er als eine Art Promi auch heute noch gefeiert wird.

Anwar Congo und seine rechte Hand Herman Koto drehen diverse nachgestellte Szenen. Dabei trommeln sie Bürger zusammen und „bitten“ sie (mit Nachdruck) darum, zu weinen, zu schreien und wegzulaufen. Die Bürger machen mit, offensichtlich aber aus Furcht und nicht weil sie Lust dazu haben. Das merkt man auch daran, dass die unfreiwilligen Darsteller noch lange nach dem eigentlichen Dreh weiter weinen. Interessant wird es dann, wenn Anwar Congo selbst in die Rolle des Gefangenen schlüpft. Nach und nach macht sich ein klein wenig Bedenken an seinen Taten erkennbar, aber zugeben will er es dann doch nicht. Von Einsicht eben keine Spur.

„The Act of Killing“ wirft keine Fragen auf, sondern lässt einen nur mit dem Kopf schütteln. Zum einen darüber, dass es überhaupt zu einem derartigen Völkermord kam und zum anderen, dass die Verantwortlichen scheinbar immer noch stolz auf ihre Taten sind. Aber genau so wurde es eben damals suggeriert. Und wenn wir schon beim Kopfschütteln sind, Herman rennt nur allzu gerne in Frauenkleidern rum und schneidet darin Puppenköpfe ab und trinkt aus denen Kunstblut. Damit wirkt das eigens inszenierte Geschehen so unwirklich wie die Realität an sich. Nach „The Act of Killing“ sieht man so manch einen Menschen aus einem anderen Blickwinkel.

Fazit

Beängstigend, verstörend, grauenhaft. „The Act of Killing“ motiviert zum Nachdenken und Kopfschütteln. Die Dokumentation, die sich erst während des Drehs ergeben hat, ist so großartig wie furchtbar, vor allem aber ein bisschen zu lang.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan… Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

Jetzt bei Amazon einkaufen und sparen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.