Seelen (2013) Filmkritik

Filmherum:3/53 von 5 Sterne von Dominik
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3,00 von 5 Sterne (5 Bewertung(en))

Hört man Stephenie Meyer, denkt man sofort an Twilight und die damit verbundene Freude oder Abneigung, je nach Geschlecht und Geschmack. Nach der Twilight-Reihe entschied sich Stephenie Meyer für eine ganz andere Art von Geschichte, die im Endeffekt aber den Fokus wieder auf die Liebe über alle Grenzen hinaus legt.

In „Seelen“ werden die Menschen sozusagen als kriegslustige, leere Hüllen dargestellt, die erst durch Seelen, die durch das Weltall fliegen, zur Vernunft kommen und sich so nicht mehr gegenseitig auslöschen. Die Menschen selbst werden rar, doch einige wenige kämpfen für ihre Menschlichkeit. Und mittendrin Melanie Stryder (Saoirse Ronan), die sich 1. als Mensch in einen Jungen verliebt und 2. als Mensch mit Seele, als eine der wenigen, einen inneren Kampf mit der neuen Besetzerin, genannt Wanderer, führt.

Unbedingt ansehen, wenn…

Ich persönlich habe das Buch nicht gelesen, fand aber die Trailer zumindest im Ansatz ansprechend. Meine Frau hingegen hat das Buch gelesen und mich zum Kinobesuch überredet. Vorneweg: Ihr hat der Film sehr gefallen, da das Buch relativ gut umgesetzt wurde und ihr dieses schon sehr gut gefiel. So hat sie sich zum Beispiel die Szenen im Berg genau so vorgestellt und war auch sonst sehr begeistert. Deshalb meine Bitte an alle, denen das Buch gefallen hat: Seht euch den Film einfach an und lest NICHT den nachfolgenden Text.

Aus der Sicht des Filmkritikers ohne Buch-Vorwissen

Mir persönlich hat einfach die Thematik nicht zugesagt. Ich meine, da werden Menschen von Parasiten besetzt und die eigene Persönlichkeit ausgelöscht. Und diese „Seelen“ besitzen dann auch noch die Frechheit zu behaupten, dass es zum Wohle der Menschheit geschieht. Doch welche Menschheit, wenn diese nur noch aus besetzten Hüllen besteht? Was ist das für ein Leben, wenn man kein eigenes mehr hat? Vielmehr „leben“ jetzt diese Seelen in Körpern, deren Geist einfach so ausgelöscht oder verdrängt wurde. Diese Seelen führen jetzt ein herrliches Leben auf einer für sie tadellos vorbereiteten Erde. Ich konnte mich nicht in diese Geschichte hineinversetzen. Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass „Seelen“ in Silberhüllen durch das Weltall fliegen und dann einfach irgendwelche Wesen besetzen, um ihnen damit einen Gefallen zu tun. Selbst im Film wird es so beschrieben, dass es kein Gefallen ist. Warum also sollte ich als Zuschauer das gutheißen?

Und dann dieser innere Konflikt. Welcher Konflikt? Melanie, mittlerweile irgendwo im Inneren eingesperrt, kämpft anfangs noch gegen Wanderer an. Kein Wunder, denn wer will schon seinen eigenen Körper mit jemand anderem teilen? Dennoch kommt es mir nie so vor, als würde sie alles in ihrer Macht stehende tun, Wanderer loszuwerden. Auch ihre Wandlung hin zu den besten Freundinnen geht mir viel zu schnell und scheint völlig absurd. Aber gut, wenn es im Buch auch so ist…

So unflexibel ich bei der Thematik auch sein mag, Saoirse Ronan ist es nicht. Sie verleiht ihrer Figur den nötigen Ausdruck und holte vermutlich das Bestmögliche aus ihr heraus. Dummerweise war es das dann auch schon mit den nennenswerten Darstellern. Diane Kruger als Sucherin und Oberschurkin war die Konstruktion in Person. Denn wenn ein Fenster in Zeitlupe heruntergefahren wird und der Kopf dem Taktschlag eines Metronoms gleich gen Kamera gedreht wird, läuten bei mir die Alarmglocken. Insgesamt nahm sie ihre Rolle viel zu ernst und hatte – wir wollen ehrlich sein – einfach nicht das Talent dafür. Die anderen Jungdarsteller hingegen, oftmals Liebschaften von Melanie oder Wanderer, sind die typischen, austauschbaren Charaktere, denen – vermutlich bewusst – keine gelungene Sätze in den Mund gelegt wurden. Sie sind eben jung und knackig, aber stets züchtig.

Die Optik des Films ist gelungen, beschränkt sich größtenteils aber auf ein – immerhin sehenswertes – Höhlen-Set, das eine gewisse Endzeitstimmung aufkommen ließe, wären da nicht (unter anderem) die silbernen Fahrzeuge der Sucher. Warum muss eigentlich alles silber sein? Der Reinheit wegen? Welch ein Quatsch! Und wie sieht es mit der angepriesenen Action aus? Wie erwartet, wenig bis Null. Zu (un-)guter letzt die Seelen-Kontaktlinsen, die beim genauen Hinsehen mehr als nur einmal im Auge verrutschen und die Seelen selbst, die freiliegend mehr an ein animiertes GIF statt CGI-Geniestreich erinnern. Sei verflucht, digitales und hochauflösendes Bild!

Ich bin mir bewusst, dass ich auf Details herumhacke, aber was wäre ich für ein Filmkritiker, würde ich das nicht tun?

Fazit

Es bleibt ein Film, mit dem ich absolut nichts anfangen kann, da mir schlichtweg die Thematik nicht gefällt, die immer gleiche Liebesgeschichte einmal vernachlässigt. Denn so schlimm, wie die Übernahme der Menschheit auch sein soll, es wird nicht im geringsten derart drastisch dargestellt. Vielmehr konzentrierte man sich, wie bei den Twilight-Filmen auch, auf eine verzwackte Liebesgeschichte mit vorhersehbarem Ausgang. Na gut, den Mädels gefällt’s.

© 2013 Concorde Filmverleih GmbH

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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2 Responses

  1. donpozuelo sagt:

    Das glaube ich gern. Beim ersten Trailer hat mich das Ganze auch noch irgendwie angesprochen, aber als ich dann sah, dass das Buch von der „Twilight“-Lady kommt, war schon fast klar, dass man da nur für ein Publikum einen Film draus macht. Irgendwie schade…

  2. Steffi sagt:

    Ich habe das Buch gerade auf Anraten meiner Freundin durchgelesen, 900 Seiten sind keine einfache Kost und das obwohl ich absolut kein Twillight Fan bin, eher das Gegenteil. Aber das Buch hat mir gefallen. Ich habe es eine Woche lang nicht aus der Hand gelegt und muss ehrlich zugeben, ich bin dermaßen vom Film enttäuscht! Die Charaktere im Film wirken platt und unausgegoren. Alles geht zu schnell, wichtige Passagen fehlen. Ich hatte von Anfang an meine Bedenken, dass man diese Geschichte als Film umsetzen kann und ich habe leider Recht behalten. Ein Buch, das auch Erwachsene (ich) lesen können, eine Filmumsetzung, die vielleicht noch meine vorpubertäre Tochter begeistert, mehr aber nicht.

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