Looper (2012) Filmkritik

Filmherum:4/54 von 5 Sterne von Dominik
Besucher:1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
4,12 von 5 Sterne (17 Bewertung(en))

Zeitreisefilme, wie ich sie doch liebe. „Zurück in die Zukunft“, „Frequency“, „Source Code“ oder „The Time Machine“ sind nur einige gute Beispiele für gelungene Vertreter dieses Genres. Wie fügt sich „Looper“ da ein? Ist es der erwartete Actionfilm mit Zeitreisen, ein Zeitreisefilm mit Actionzugabe oder etwas ganz anderes?

Story

Skrupellose Verbrechersyndikate lenken die Geschicke der Welt, niemand kann ihren Kontrollmechanismen entgehen. Sie bedienen sich auch der längst erfundenen Zeitreisen, die illegal sind und deswegen ausschließlich ein Instrument des Schwarzmarktes. Wann immer die Mafia jemanden loswerden möchte, schickt sie ihr Opfer kurzerhand 30 Jahre in die Vergangenheit, wo ein „Looper“ wartet und das Problem aus der Welt schafft. Einer dieser extrem gut entlohnten Auftragskiller ist Joe (Joseph Gordon-Levitt). Ohne mit der Wimper zu zucken drückt er den Abzug, sobald seine Opfer aus der Zukunft vor ihm sitzen – nachts betäubt er seine Sinne mit Drogen und Frauen. Irgendwann beschließen die Bosse in der Zukunft, Joes „Loop zu schließen“, weil sie seine Dienste nicht länger benötigen. Dafür senden sie sein 30 Jahre älteres Ich (Bruce Willis) zu ihm in die Vergangenheit. Joe muss sich selbst ermorden. Irritiert zögert der Jüngere für den Bruchteil einer Sekunde, so dass sein Widergänger aus der Zukunft entkommen kann. Sofort wird Joe gleich doppelt zum Jäger und zum Gejagten, denn nicht nur ist er sich selbst auf den Fersen sondern wird auch von seinen ehemaligen Looper-Kollegen gejagt…

Filmkritik

Schnell meinen internen Fluxkompensator ein paar Stunden zurückstellen und den Film noch einmal live Revue passieren lassen. Résumé: Sehr gut. Klar kämpfen Zeitreisefilme immer mit Logikschwund und „Looper“ stellt da hin und wieder keine Ausnahme dar, ist aber durchaus einer der besseren Vertreter, sofern man seine Hirnzellen nicht zu sehr anstrengt.

Zuerst aber folgendes: „Looper“ ist kein reinrassiger Actionfilm, sondern vielmehr ein Sci-Fi-Thriller mit gewagten Schusswechseln und ein paar hervorragenden Ideen zum Thema Zeitreise. So war ich hin und weg von der ekligen Szene rund um das jüngere und ältere Ich, welches nach und nach ein Körperteil lassen musste. Die Zeitkomponente ist also wirklich nicht nur dazu da, die Zukunft zum Besseren zu wenden. Das wird einem bei „Looper“ allerdings schon viel früher bewusst. Joe macht nämlich zu Beginn eigentlich nichts anderes, als einen nach dem anderen abzuknallen. Egal wer das ist, er stirbt. Joseph Gordon-Levitt spielt dabei mit einer Gleichgültigkeit, die ihresgleichen sucht. Und wenn Bruce Willis ins Spiel kommt und man etwas „Stirb langsam“-Action erwartet, dann kommt diese zwar auch kurz, aber vielmehr stellt er den ungewollten Schurken des Filmes dar. Seine Leistung dabei ist in meinen Augen over the top, auch wenn man ihn als Zuschauer verhältnismäßig eher selten zu sehen bekommt.

Den ganzen Film über hatte ich mit Gänsehaut und Freudentränen zu kämpfen. Die Atmosphäre ist ganz große Klasse und die darauf aufbauenden Schießereien und Brutalitäten erscheinen gleich noch einmal so krass, auch wenn manch andere Filme viel mehr in dieser Hinsicht zeigen. Doch „Looper“ setzt geschickt auf eines: Kopfkino at its best. Dazu gesellt sich ein düsterer, beklemmender Score, der zwar schnell wieder aus dem Gehör verschwunden ist, aber in der jeweiligen Sekunde die perfekte Wirkung erzielt.

„Looper“ lässt übrigens auch nicht den Umstand aus, dass der Held auf alte Sachen steht. So spielt er Schallplatten ab und fährt als (vermutlich) einziger Mensch der Welt einen Mazda MX-5 als Oldtimer. So weit kommt es noch..! 😉 Und wenn wir schon bei der zukünftigen Vergangenheit sind, kann man ja getrost noch auf ein schwebendes Mofa eingehen, das sehr an „Star Wars“ erinnert, Zukunftswelten, die an „Total Recall“ erinnern oder total simple Bauernhöfe inmitten von Kornfeldern, die sich sowohl vom Aussehen, als auch atmosphärisch an „Signs“ orientieren. Ja, „Looper“ hat hier und da geklaut, bewahrt aber zu jeder Zeit ausreichend Eigenständigkeit bis zum ziemlich genialen Ende, das allerdings nur solange genial ist, bis man wieder zu sehr sein Gehirn einschaltet. Nach dem Motto: „Aber was wäre wenn..? – NEIN!“

Zum Abschluss noch ein kleiner, aber nicht unbedeutender, Kritikpunkt. Soviel sich Rian Johnson um die Zeitreisekompenente am Anfang bemühte und diese auch mit frischen Ideen versah, so sehr ging diese zur Mitte des Filmes hin flöten. Ab da war war ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob es sich nun um einen Sci-Fi- oder Horrorfilm handelt. Grund zum Anlass gab das Kind im Film, das mindestens so creepy wie der kleine Psycho aus „Das Omen“ ist und von da an den Film sozusagen für sich beansprucht.

Fazit

„Looper“ ist Independent-Kino, das vielleicht nicht jedem gefallen wird, es aber definitiv sollte.

© 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

Jetzt bei Amazon einkaufen und sparen

Das könnte dir auch gefallen!

5 Responses

  1. maloney sagt:

    Wieso sollte jemandem der Film nicht gefallen?

  2. donpozuelo sagt:

    Mir hat der SEHR gut gefallen. Ich kann zwar nicht verstehen, warum jemand den nicht mögen könnte, aber ich kann es nachvollziehen. Schließlich könnte man zwischendurch glatt vergessen, dass man sich einen Science-Fiction-Film anschaut 😉

  3. Interessant. Ich habe den Film vollkommen anders gesehen. Leider kann man ihn schwer kritisieren, ohne zu spoilern.

    Aber das Grundkonzept – ich muss Leute in die Vergangenheit schicken, um sie zu killen – macht so überhaupt keinen Sinn. Hat da niemand auch nur eine Sekunde nachgedacht? Jeder handelsübliche „Cleaner“ löst dieses Problem (pun intended) schneller und billiger.

    Ich fand den Film „ärgerlich“ etwa die Kategorie „Timecop“.

  4. Kcnp Xcp sagt:

    Ich sehe das gar nicht mal als klauen, eher als Zitat. Solche Anspielungen müssen auch gekonnt sein 😉 Der Film war jedenfalls gar nicht übel, wenn auch der Bruce langsam alt wird, ein paar Rollen schafft er noch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.