Flight (2012)

Filmherum: 3.5/5
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Denzel Washington rettet als zugedröhnter Pilot knapp 100 Seelen bei einem Flugzeugabsturz. Nur 6 sterben. Er ist der Pilot und damit der schimmernde Held. Doch alles was glänzt, wird irgendwann wieder schmutzig.

Bei “Flight” erwartete ich in erster Linie ein großes Gerichtsverfahren mit viel Brimbamborium. Zumindest ließ der Trailer genau das vermuten. Vom Flugzeugabsturz an sich hatte ich nicht viel erwartet, wurde aber letztendlich mit offenem Mund zurückgelassen. Ob ich demnächst noch einmal fliege,… das steht in den Sternen.

Denzel Washington stürzt ab – im doppelten Sinn

“Flight” ist kein Gerichtsfilm und kein Katastrophenfilm. “Flight” ist in erster Linie ein Drogen- und Alkoholproblemfilm, der nicht etwa nur auf Suchtprobleme eingeht, sondern etwas Gesellschaftskritik ausübt, indem er anprangert, dass es dem Gesetz bei Verstößen völlig egal ist, ob man nun ein Held ist oder nicht. Denzel Washington haben wir es zu verdanken, in den zuerst ungewohnten Verlauf der Geschichte einzutauchen und letztendlich mitgerissen zu werden. Ich muss zugeben, dass ich diesen Schauspieler unglaublich gerne mag und mir Filme sehr oft nur seines Namens wegen ansehe. Er ist sympathisch, lässig und selbst dann noch cooler als Chuck Norris, wenn er Alkoholiker ist. Die Betonung liegt allerdings definitiv auf “cool”. Ich hatte nie wirklich das Gefühl, als hätte er im Film ein Problem. Selbst dann nicht, wenn er auf seine Alkoholsucht mit trauriger Miene eingeht oder sturzbetrunken auf den Wohnzimmertisch kracht. Zu lustig und amüsant war der Grundtenor des Films, als dass ich auch nur einmal so etwas wie Mitgefühl verspürte. Andererseits ist es so, dass ich diesen lockeren Umgang mit der Problematik auch irgendwo zu schätzen wusste. Es muss nicht immer ein “Requiem for a dream” sein.

“Zurück in die Zukunft”-Regisseur Robert Zemeckis legte – scheinbar bewusst – nicht besonders viel Wert darauf, auf all die bösen Nachteile von Suchtmitteln einzugehen, achtete aber sehr auf Details. So gefielen mir ein paar Macken diverser Darsteller, die man mehr als nur einmal in Großaufnahme beobachten durfte. So spielt beispielsweise Denzel Washington beständig mit seiner Zunge im Mund herum, das zwar manchmal aufgesetzt, aber zu keiner Zeit übertrieben wirkt. Interessant war auch eine Szene, in der sich Denzels Süße im Film eine Überdosis spritzt und sich die Pupille erst weitet und dann auf ein Minimum zusammenzieht. Es sind die kleinen Dinge, die zu begeistern wissen und immer wieder über die eine oder andere Länge hinwegsehen lassen.

Länge, ein (gutes) Stichwort: Mit einer Laufzeit von 138 Minuten ist der Film definitiv ein ganzes Stück zu ausladend geraten. Hier und da ein kleiner Schnitt hätten der vermeintlich rasanten Entwicklung unseres “Helden” ganz gut getan. So verwundert es auch nicht, dass man mehr als nur einmal weiß, was alt nächstes passiert oder wie der Film letztendlich ausgehen wird. Getreu dem Motto: Das schlechte Gewissen siegt immer!

Fazit

Hier stürzt nicht das Flugzeug ab, sondern der Pilot. Denzel Washinton gibt einen glaubhaften Alkoholiker ab. Die Frage ist nur, ob man das in einem Film namens “Flight” sehen möchte?

© 2013 STUDIOCANAL GmbH

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4 Responses

  1. donpozuelo sagt:

    Du bist ja noch halbwegs wohlwollend… aber ich verstehe das. Es ist so eine Art Film, die man eigentlich gut finden möchte. Immerhin spielt Denzel Washington mit. Aber mir hätte ein Prozess-Drama irgendwie lieber gewesen.

  2. James Edwards sagt:

    Ich fand den Grundtenor alles andere als lustig und amüsant und ich denke, dass Denzel Washington gerade mit seinem authentischen Schauspiel viel Ernsthaftigkeit in den Film bringt und nicht umsonst für den Oscar nominiert ist.
    Auch den lockeren Umgang mit der Problematik “Sucht” muss ich verpasst haben. Aber so sieht jeder einen Film anders.

    • “Aber so sieht jeder einen Film anders.” – Ja. Wobei ich schon sagen muss, dass du Recht hast und ich sehr mit mir gekämpft habe, als ich die Kritik geschrieben habe. Aber irgendwie siegte immer der Fun-Faktor bei mir, auch wenn es ggf. gar nicht die Intention des Schreibers, bzw. Regisseurs war. Oder etwa doch? “Flight” ist besonders und ich denke, dass man viel hineininterpretieren kann, wenn man dem Film die Chance dazu gibt.

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