Django Unchained (2012) Filmkritik

Django Unchained
Filmherum:
4/5
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    18 Bewertung(en)

Meine Filmkritik möchte ich mit einer kleinen Wortspielerei beginnen, die mir bereits kurz nach dem Film auf der Zunge lag: Tarantino macht den Western wieder Saloon-fähig. Gut, oder? ;)

Tatsächlich ist es aber so, dass Quentin Tarantino, ein geliebt-gehasster Meister seines Fachs, einfach nur einen Western auf die Beine stellte, dem man seine Herkunft deutlich anmerkt. Quentins Handschrift findet sich von vorne bis hinten und erinnert nicht nur des Blutgehalts wegen an seine aktuelleren Werke, z. B. “Kill Bill”. Von dem Mann kann man halten, was man will. Dass er allerdings ein Händchen für besondere Filme hat, ist vermutlich unbestritten. Und dass seine Filme nicht jedem gefallen, ist vermutlich genauso unbestritten. So kann man “Django Unchained” als das ansehen, was er ist: Fanservice für seine – ähm ja – Fans.

“Django Unchained” hat mich persönlich zwar begeistert, aber nicht vom Hocker gerissen. Die schauspielerischen Leistungen, allen voran Christoph Waltz (go for the Oscar!), sind das Herzstück des Films und ziehen sich bestimmend von Anfang bis Ende. Zwischendrin gibt es sehr blutige Schusswechsel und diverse andere Brutalitäten, sowie amüsante Einlagen, wie sie nur einer machen könnte. Die Geschichte ist durchaus nett, aber in einem Satz erzählt und eigentlich nur dazu da, um überhaupt einen Aufhänger für genau den Western zu haben, den Tarantino schon seit Ewigkeiten drehen wollte. Dazu hat er schöne Kulissen und Schauplätze ausgewählt, sowie einen genialen Soundtrack zusammengestellt und sogar dem Original-Django (Franco Nero) einen Cameo-Auftritt spendiert. Und bevor ich es vergesse: Tarantino selbst darf, vertrottelt wie immer, auch kurz mitspielen und erinnert dabei an einen aufgesogenen Schwamm.

Die Mischung macht’s (nicht)

Wie bereits erwähnt, muss man Quentin Tarantinos Stil mögen, um diesen Film zu mögen. Wenn es denn so ist, wird es einem auch nichts ausmachen, dass angeschossene Personen meterweit nach hinten gerissen werden. Ich persönlich konnte all dem Slapstick allerdings nicht ausreichend Begeisterung entgegen bringen. Bewusst absurd gehalten, wechseln sich “aua aua” und “ha ha”, im Minutentakt ab und pochen auf Gerechtigkeit in Form von Verständnis. Für mich persönlich war das ein klein wenig zuviel und noch weitaus übertriebener, als man es von seinen anderen Werken kennt.

“Django Unchained” ist kein gewöhnlicher Western. Er bietet unzählige Anspielungen auf die ganz großen Kult-Western, verneigt sich vor ihnen oder zieht sie auch manchmal etwas durch den Kakao. Er “klaut” Titelmelodien aus ihnen und macht in Zusammenspiel mit den Bildern daraus etwas völlig neues. Er ist gewohnt und ungewohnt zugleich, nicht zuletzt, weil ein “Nigger” der Held ist. Anmerkung dazu von mir: Das ist keinesfalls als Beleidigung gemeint, sondern gibt nur das Wort wieder, das man im Film gefühlte 400x hört.

Fazit

Wenn ich also sage, dass “Django Unchained” ein ganz besonderer Film, angesiedelt im Wilden Westen ist, dann stimmt das auch. Allerdings ist “besonders” hier ganz klar Auslegungs- und Geschmackssache.

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Filminfos:

  • Darsteller: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCapro, Kerry Washington, Samuel L. Jackson, etc.
  • Regisseur: Quentin Tarantino
  • Genre: Action | Drama | Western
  • Premierendatum: 17.01.2013
  • Altersfreigabe: ab 16
  • Laufzeit: 165 Minuten
  • Deutscher Titel: Django Unchained
  • Originaltitel: Django Unchained

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11 Kommentare

  1. maloney 19. Januar 2013

    Ich würde sagen der western ist schon seit True Grit wieder Saloonfähig :D Ich als Tarantino Narr hab den Film natürlich geliebt aber dennoch ist für jeden was dabei, daher nicht ganz einverstanden mit deiner Punktvergabe aber dennoch akteptabel…weitermachen :D

    Hierauf antworten

    • Dominik Höcht (Filmherum) 19. Januar 2013

      “akteptabel…weitermachen”? … okidoki :D

  2. Michael 19. Januar 2013

    Hallo Dominik,
    Dein Blog gefällt mir sehr gut!! Auch die Filmkritik trifft es auf den Punkt. Der Film hatte auch einige verzichtbare Längen. Im Großen und Ganzen auch wieder eine handwerklich gute Arbeit. Die Übertreibungen waren auch aus meiner Sicht zu heftig. Gerade in der Schlußszene, wo er von der Treppe aus seitlich schießt und die Getroffene dann meterweit in den nächsten Raum fliegt.
    Gruß
    Micha

    Hierauf antworten

    • Dominik Höcht (Filmherum) 19. Januar 2013

      Hallo Micha, freut mich sehr! :)
      Mit den Längen hast du natürlich Recht, wobei ich da schon schlimmeres erlebt habe. Und der “Weitsprung” am Ende war der schlechteste Witz am Film. :D

    • Xander 20. Januar 2013

      Genau die Szene fand ich toll ;-)

    • Dominik Höcht (Filmherum) 20. Januar 2013

      Lustig war sie, keine Frage. ;)

    • Wulf | Medienjournal 23. Januar 2013

      Bevor es hoffentlich bald meine eigene Kritik gibt, kann ich mich grundsätzlich dem Tenor schon einmal anschließen, denn insbesondere zum Ende hin hatte der Film wirklich störende Längen, da nach dem großen, blutigen Shootout im Anwesen das Kinopublikum merklich auf das Ende wartete, das da einfach nicht kommen wollte. Und der “Weitsprung” am Ende war wirklich mies, lustig hin oder her, weil das auch einfach mal vom Schusswinkel überhaupt nicht passte.

      Dafür hat mir Tarantino über seinen Mittelsmann Waltz den für mich bis dato witzigsten Film aus seiner Feder abgeliefert, denn gerade in der ersten Hälfte beherrscht er das Geschehen merklich und hat extrem viele laute Lacher provozieren können. “Und für den unwahrscheinlichen Fall, das Hobby-Astronomen unter euch sind – das dort oben ist der Nordstern.”

  3. Owley 20. Januar 2013

    Ich mochte den Film sehr, verstehe aber auch, dass man da schon Tarantino feiern muss, um ihn wirklich gut zu finden.

    Waltz fand ich zwar toll, aber er liess ein bisschen nach und wurde von Foxx, DiCaprio und SLJ abwechslungsweise an die Wand gespielt. Vielleicht war das auch Teil seiner Rolle, einen Oscar brauchts aber imho nicht für ihn.

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    • Dominik Höcht (Filmherum) 20. Januar 2013

      “verstehe aber auch, dass man da schon Tarantino feiern muss, um ihn wirklich gut zu finden.”

      NEIN! Der @HerrOwley stimmt mir mal zu? Welch Ehre! :D

  4. donpozuelo 21. Januar 2013

    Sehr schönes Wortspiel!!! :D

    Ja, Waltz, DiCaprio und Jackson machen diesen Film so richtig gut. Was halt irgendwie schon ein bisschen schade ist, wenn Jamie Foxx zwar gut spielt, aber hinter den anderen zurück bleibt. Was aber sicher nicht sein Fehler ist (*husthust, Mr. Tarantino)

    Alles in allem aber, wie ich finde, ein äußerst unterhaltsamer Film, der einfach nur Spaß macht. Da verzeiht man doch auch gerne ein paar kleinere Längen (wann hatte ein Tarantino-Film die mal nicht in letzter Zeit ;) )

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  5. James Edwards 4. Februar 2013

    Sehe ich genauso wie ihr, ich war eigentlich sogar ein bisschen enttäuscht, weil viele den Film so hochgelobt haben. Umso größer war die Fallhöhe für Django.
    Und ich denke, dass Tarantino nicht schauspielern sollte. Auch wenn er sich nur eine Minirolle zugedacht hat – ich hab ihm das nicht abgenommen.

    Grüße

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