Der Geschmack von Rost und Knochen (2012) Filmkritik

Puh, „Der Geschmack von Rost und Knochen“ ist anstrengend. Dieses Wort kreiste mir von Anfang bis Ende im Kopf herum. Nach dem doch sehr ansprechenden Trailer, unterlegt mit einem von M83’s zahlreichen, genialen Songs, erwartete ich einen etwas anderen Liebesfilm, den ich letztendlich auch bekommen habe. Allerdings derart anders, dass es mir nach nur wenigen Minuten die Sprache verschlagen hat.

Story

Alles beginnt im Norden von Frankreich. Plötzlich findet sich Ali (Matthias Schoenaerts) mit einem fünf Jahre alten Kind in seiner Obhut wieder. Sam ist sein Sohn, doch er kennt ihn kaum. Mittellos und ohne Freunde sucht Ali Zuflucht bei seiner Schwester Anna (Corinne Masiero) an der Côte d‘Azur. Sie bringt die beiden in ihrer Garage unter und nimmt das Kind unter ihre Fittiche, während Ali für eine Sicherheitsfirma arbeitet. Bei einer Schlägerei in einem Nachtclub trifft Ali das erste Mal auf Stéphanie (Marion Cotillard), die im Marineland Killerwale trainiert. Als eine ihrer Shows in einer Tragödie endet, bringt sie ein nächtlicher Anruf erneut zusammen. Als Ali sie wieder sieht, hat die vorher selbstbewusste Frau alle Illusionen verloren. Ali beginnt ihr einfach zu helfen, ohne Mitgefühl oder Mitleid. Und beide finden dadurch zurück ins Leben…

Alles beginnt mit einem Trailer

Manchmal verfluche ich diese Genies, die mit einem Trailer einen völlig anderen Film schaffen. Vermutlich war genau das der Grund dafür, dass ich vom Film maßlos enttäuscht war. Doch auch abseits meiner Erwartungen und nach reichlicher Überlegung, kann ich dem Film nur wenig abgewinnen. Dazu ist er – ich wiederhole mich gerne – zu anstrengend. Wir erleben im Endeffekt zwei Einzelschicksale, die irgendwie miteinander verbunden werden sollen, was aber letztendlich nur ansatzweise funktioniert. Erhoffte Charakterentwicklungen sucht man den gesamten Film über mit der Lupe. Und wenn sie dann einmal eintreffen, dann so schnell, dass sie schlichtweg unglaubwürdig erscheinen. In diesem Zusammenhang erwähne ich auch die schier endlosen Zeitsprünge, die ein ruhiges – und damit angenehmes – Verfolgen der Geschichte von Grund auf zunichte machen.

Die Darsteller sind allesamt talentiert in dem, was sie tun. Allen voran die beiden Hauptdarsteller, von denen er das „perfekte“ Arschloch gibt und sie die deprimierte Liebesgespielin. Und so stehen beide für sich. Ein „gemeinsam“ gibt es scheinbar nur auf dem Papier, jedoch nicht für den Zuschauer. Deshalb wirkt das erzwungen versöhnliche „Ich liebe dich“ am Ende fehl am Platz.

Wie bereits erwähnt sind die Einzelleistungen durchaus überzeugend, aber so richtig sehen und vor allem verstehen will man das nicht. Der Vater, der seinen Sohn durch den Raum wirft und dennoch als liebenswerter Vater und Macho „gefeiert“ wird? Welch eine Message soll das bitte sein? Sieht so die wirkliche Welt aus? Vielleicht. Doch in dieser Art und Weise ist sie weder augenöffnend, noch unterhaltsam.

„Der Geschmack von Rost und Knochen“ ist übrigens auch nicht als Kunstwerk zu sehen. Außergewöhnliche Kameraeinstellungen wirken zwar anders, aber alles andere als perfekt oder gar einfallsreich. Derbe Wortgefechte und stille Minuten lassen genauso wenig Harmonie verspüren, wie die anderen, bereits erwähnten Kritikpunkte. Ein positiver Aspekt hingegen ist Marion Cotillard’s Behinderung, die durch Tricktechnik sehr real aussieht. Ähnliches sah man allerdings – weitaus gefühlvoller – bereits vor Jahren in „Forrest Gump“.

Klassifizierung: Geschmackssache

Ich will ehrlich sein, mich regte dieser Film einfach nur auf. Die Gründe dafür habt ihr (vermutlich) gelesen. Viele durchweg positive Stimmen kann ich nicht nachvollziehen. Dieses Schusterwerk wirkt unvollständig und lässt sich in keine der mir bekannten Kategorien einordnen. Abraten möchte ich allerdings niemanden. Ihr dürft einfach nur nicht vorher den Trailer ansehen oder einen Liebesfilm erwarten.

Meiner Meinung nach versuchte man mehrere Extreme aufeinanderprallen zu lassen, was zwar einerseits funktionierte, andererseits aber keinen Sinn erkennen lässt.

Eine Sternewertung bleibt diesmal aus. Aufmerksame Leser können sich diese vermutlich vorstellen. Ggf. war einfach nur die Enttäuschung nach dem Trailer zu groß, wenngleich oben angesprochene Kritikpunkte genau so zutreffen und so oder so zur Abwertung führen würden.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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1 Response

  1. donpozuelo sagt:

    Trailer sind immer fies. Vor allem bei solchen Filmen. Aber was du so schreibst, klingt ähnlich wie das, was ich mir zu „Only God Forgives“ denke: schwer in Worte zu fassen und schwer zu bewerten.

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