Assassin’s Creed (2016) Filmkritik

Filmherum:3/53 von 5 Sterne von Dominik
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3,50 von 5 Sterne (2 Bewertung(en))

Ich war Altaïr, ich war Ezio, ich war Connor, ich war Edward und nun bin ich sowohl Jacob als auch Evie. (Arno war ich bewusst nicht.) „Assassin’s Creed“ versetzt mich seit Jahren in die unterschiedlichsten Assassinen inmitten spektakulärer (DNA-)Welten. Die Spielreihe ist trotz Ermüdungserscheinungen nach wie vor beliebt bei Jung und Alt. Der ewige Krieg zwischen Assassinen und Templern scheint kein Ende zu nehmen und auf eine Verfilmung warteten die Fans seit einer gefühlten Ewigkeit.

2016 hat dieses Warten ein Ende. „Assassin’s Creed“ läuft kurz nach Weihnachten im Kino an und trumpft mit einer bemerkenswerten Besetzung: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons oder Brendan Gleeson. Dabei darf der kernige Deutsch-Ire Fassbender in die Rolle des Helden Callum Lynch bzw. Aguilar schlüpfen. In der Gegenwart ein Haudrauf und Mörder, in der Vergangenheit einer der berühmt-berüchtigsten Assassinen. Und genau diesen gilt es seitens Abstergo Industries im wahrsten Sinne des Wortes zu durchleuchten. Denn entgegen dem Animus aus den Spielen darf sich Callum Lynch hier inmitten eines futuristischem Greifarmes frei bewegen und so die Taten seines Vorfahren nachstellen. Eingehüllt wird er dabei von Projektionen, die es den Wissenschaftlern erlauben, „live“ die Vergangenheit mitzuerleben. Callum, kurz Cal, macht sich so im Körper seines Vorfahren auf die Suche nach dem Edenapfel ohne zu verstehen, wem er da wirklich hilft.

Moment mal. Wer?

Altaïr, Ezio oder Evie? Nie gehört! So manch ein Leser dürfte sich nun fragen, wovon ich rede. Und genau deshalb ist natürlich auch folgende Frage berechtigt: Muss ich die Spiele kennen um den Film genießen zu können? Die Antwort lautet jein. Natürlich ist Hintergrundwissen hilfreich. So habe ich mich über so manch eine Anspielung gefreut, während die Story an sich quasi der des ersten Spiels entspricht. Nehmen wir der Einfachheit halber die abgetrennten Finger des Assassinen Aguilar. Als Kinogänger kann man sich so einiges zusammenreimen. Dass diese Maßnahme allerdings essentiell für den Eintritt in den Orden sowie die einzigartige Waffe ist, wird verschwiegen. Auch wird nicht erklärt, warum Cal in der Gegenwart seine Finger behalten darf und dennoch die Waffe anlegen kann. Szenen wie diese sind eher selten gestreut, doch sie sind vorhanden.

Und wie sieht es nun mit dem Filmvergnügen aus? Es stört nicht wirklich, dass man dies oder jenes nicht erfährt, bzw. vieles schlichtweg nicht weiß. Was wirklich zählt sind seit jeher die Szenen der Vergangenheit mitsamt den Parkour-Läufen und den Kämpfen. Auch die Story ist ein wesentlicher Bestandteil der Reihe, sowie die Charaktere, die mal besser, mal weniger gut ausgearbeitet waren. „Assassin’s Creed“ ist hier in allen Belangen eher überschaubar. Es wird gelaufen und gekämpft, allerdings mit oftmals unschön verwackelter Kamera, bzw. ungünstig positionierten Schnitten. Die Vergangenheit ist zudem grundsätzlich staubig, bzw. rauchig. Warum? Vermutlich ist das ja cool und ich weiß es nur noch nicht. Ebenso der für die Reihe prägende Falke, dem wir meiner Meinung nach etwas zu oft durch die schwammig-zweidimensionalen Bilder folgen. (Ja, ich habe mir den Film in 3D angesehen.) Die Geschichte ist leicht bekömmlich und herrlich nichtssagend. Warum möchte jeder den Edenapfel? Etwa der Weltherrschaft wegen? Na wunderbar! Und dann war da noch diese Kälte. Eine Kälte, die den Film grundsätzlich ungemütlich macht. Das ist es. Das macht diesen Film nicht gut genug. Es fehlt Herz, Leidenschaft und Liebe. Aguilar ist verliebt, das darf man erfahren. Doch wahre Dramatik oder Gefühle wollen zu keiner Sekunde aufkommen. Und genau das ist es, was die Spiele ausmachte. Man fieberte zu jeder Sekunde mit, man war oder ist diese Figur. Im Film ist Callum, bzw. Aguilar einfach irgendjemand mit einem Messer am Handgelenk.

Es ist bedeutend schwieriger sich in einen Filmcharakter hineinzuversetzen als in eine Figur, die man selber steuern kann. Von daher erwartet man – gerade bei Videospielverfilmungen – eine gewisse Verbindung zum Protagonisten. Hier ist das leider nur selten der Fall. Fassbender ist cool, keine Frage. Doch er darf nicht lieben. Er darf nicht mit Herz und Seele spielen. Sein Schauspiel wirkt so professionell wie kalt. Und auch die anderen Darsteller spielen verhältnismäßig leidenschaftslos. Das daraus entstehende Gesamtkunstwerk mag vielleicht den Titel „Assassin’s Creed“ tragen, könnte aber ohne diverse Anspielungen als jeder x-beliebige Actionfilm durchgehen.

Nichts desto trotz mochte ich den Film. Vieles wurde richtig gemacht. Und allen voran Fans der Videospiele dürften hier auf ihre Kosten kommen. „Assassin’s Creed“ ist leider kein Highlight der Filmgeschichte, bzw. der Videospielverfilmungen, doch wirklich schlecht ist er auch nicht.

Randnotizen

  • Als Fan von Filmscores muss ich sagen, dass ich von diesem leicht enttäuscht bin. Das Maintheme wird von Jed Kurzel zwar waghalsig durchgezogen, oftmals mehr als mir lieb ist, doch insgesamt wirkt dieser Score so kalt wie der Film. Nun ja, zumindest in dieser Hinsicht fügt er sich gut ein.
  • Der Todessprung! Oh mein Gott. Im Film wird tatsächlich der Todessprung erwähnt, bzw. durchgezogen. Doch was es damit auf sich hat? Hier kommen wir wieder zu folgendem Punkt: Videospieler haben mehr davon.

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Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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