Hades-Syndrom Vol. 1 Comic Review

Filmherum:4/54 von 5 Sterne von Dominik
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„Hades-Syndrom“ ist eine Comicserie, die mit insgesamt 6 Heften seit 2007 erschien. Für die Serie verantwortlich zeigt sich der deutsche Comicautor und -zeichner Michael Feldmann. Gefunden habe ich die Serie über TheNextArt, einen Comicverlag, der sich auf Independent-Comics spezialisiert hat. Die Serie sagte mir aufgrund ihrer Endzeit-Thematik ganz besonders zu, zumal sich die Geschehnisse in einem fiktiven Deutschland der Zukunft abspielen.

Die Endzeit-Geschichte spielt in naher Zukunft, nach einem zwanzigjährigen weltweiten Krieg um die letzten Energieressourcen. Mitteleuropa liegt in Schutt und Asche. Und durch Deutschland verläuft eine neue Mauer. Auf der einen Seite eine der letzten Wohlstandsgesellschaften, auf der anderen die dritte Welt.

Mitten in den Geschehnissen kämpft sich das Pärchen Dodo und Nuke durch die Quarantäne-Zone, stets auf der Suche nach einem Weg über die Mauer. Über einen zwielichtigen Kontakt finden sie dann auch einen Weg, tappen dabei aber sozusagen von einer Tretmine auf die nächste. Die Geschehnisse werden dabei in teils realistischen, die meiste Zeit aber harten Bildern und Worten geschildert. Schusswunden oder Verletzungen jeglicher Art werden genauso explizit dargestellt, wie so manch ein Fleckchen nackte Haut. Feldmann zeigt uns so eine mögliche Zukunft in all ihrer (theoretischen) Rauheit. Mir persönlich sagte das sehr zu, da man diese Art Direktheit in anderen Werken nur zu oft vergeblich sucht.

Wenn man sich Heft 1 bis 6 durchliest und dabei die rauen Zeichnungen auf sich wirken lässt, stellt man von Heft zu Heft fest, dass Feldmanns Zeichenkünste oftmals variieren. Meiner Meinung nach werden diese aber stets besser, detailreicher und interessanter, obgleich die Qualität etwas schwankend wirkt. Gesichter werden oftmals sehr verzerrt dargestellt und erwecken zuweilen den Eindruck von Karikaturen. Aber gerade dieses (ggf. ungewollte?) Stilmittel passt ausgezeichnet in das Gesamtkonzept dieser geschaffenen Dystopie.

Die Charaktere in Hades-Syndrom sind allesamt interessant, vielmehr aber überzeugen sie durch ihre Macken und Eigenheiten. Grundsätzlich muss man von einer kaputten Welt sprechen, in der scheinbar niemand mehr klar denken kann. Wie auch, bei diesen Umständen? Und so kristallisierten sich eben kranke Gestalten heraus, ein jeder von Rache, Wut oder Angst getrieben. Oftmals ist nichts wie es erst scheint, obgleich Feldmann nicht alle Eigenheiten lange verstecken kann. So manch eine Wendung ist vorhersehbar, was mich allerdings nie wirklich störte.

„Hades-Syndrom“ ist in einem gewissen Maße auch Kritik und Geschichtsstunde in einem: „Haben wir aus Fehlern gelernt?“ „Werden wir die selben Fehler wieder begehen?“ „Geld die Welt aufgrund der Menschheit zu Grunde?“ Michael Feldmann weiß zwar mit seinen Comics zu unterhalten, vielmehr regt er aber zum Nachdenken und stellenweise auch Fürchten an.

Ein paar Kritikpunkte habe ich dennoch: Die Sprechblasen und Panels wirkten für mich mehr als nur einmal etwas fehl am Platz. Hin und wieder rutschten meine Augen auf eine falsche Passage und damit auch in ein eigentlich erst später angedachtes Panel. Da halfen auch die zahlreichen kleinen Pfeile nichts, die, beinahe schon Ton in Ton mit den stimmig kolorierten Zeichnungen, nur selten zu führen vermochten. Auch wirkten vor allem die Geschehnisse der ersten Hefte etwas zu sprunghaft. Erst ab Band 4/5 erschien mir die Geschichte runder und damit angenehmer lesbar, bzw. auch besser verständlich.

Zusammenfassend ist „Hades-Syndrom“ eine packende Endzeit-Story mit interessanten Charakteren und, dem Setting entsprechend, düsteren und expliziten Zeichnungen in mehrerlei Hinsicht. „Hades-Syndrom“ ist so hart wie unterhaltsam. Die Geschichte macht nachdenklich und weiß zuweilen auch sehr zu fesseln. Und auch wenn die Cliffhanger zwischen den einzelnen Heften etwas aufgesetzt wirken, weiß gerade der des 6. und damit auch letzten Heftes die Freude auf die bereits erhältliche Fortsetzung anzukurbeln.

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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