Dredd (2012)

Filmherum:4/54 von 5 Sterne von Dominik
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4,67 von 5 Sterne (3 Bewertung(en))

Als ich zum ersten Mal von „Dredd“ hörte, dachte ich eigentlich nur eins: Schon wieder ein Remake, wie öde! Zumal der neue „Dredd“ Karl Urban den bisherigen „Judge Dredd“ Sylvester Stallone vom Gerechtigkeitsthron stoßen musste. Keine leichte Aufgabe, da der Film mit Stallone zwar ziemlicher Käse ist, aber zumindest ungeheuer kultig.

Ich nehme es mir heute nicht zur Aufgabe einen Vergleich der beiden Filme aufzustellen, sondern lediglich „Dredd“ zu beurteilen, der deutlich näher an den Comics ist als Stallones Version.

Story

Mega City One – eine gigantische Metropole voller Gewalt, Chaos und Verbrechen inmitten des düsteren und zerfallenen Amerikas. Die Bewohner leiden und immer mehr verfallen der neuen Droge Slo-Mo, die sie die Realität in extremer Zeitlupe erleben lässt. Einzig und allein die „Judges“ können gegen die Verbrechen in ihrer Stadt ankämpfen, nur sie haben die Macht als Richter und Vollstrecker für Recht und Ordnung zu sorgen. Dredd (Karl Urban), als oberster „Judge“ gefürchtet, will die Stadt von ihren Plagen befreien. Zusammen mit seiner neuen Rekrutin, Cassandra Anderson (Olivia Thirlby), nimmt er den Kampf gegen Ma-Ma (Lena Headey) auf, eine Drogenbaronin, die eiskalt über den größten Slum der Stadt herrscht. Als Dredd und Anderson einen Handlanger aus ihrem skrupellosen Clan zu fassen kriegen, entfacht Ma-Ma einen erbitterten Krieg, in dem sie vor nichts zurückschreckt, um ihr Imperium zu schützen…

Filmkritik

Ungewohnt und zugleich erfrischend anders ist die Einführung von Judge Dredd, die es letztendlich nicht gibt. Keine lange Vorgeschichte und kein Kindheitstrauma, das ihn zu dieser Gesetzesmaschine machte. Er zieht seine Kleidung an, setzt seinen Helm auf und ist fortan das Gesetz. Das Gesetz ohne Gnade in all seiner Härte. Ein Judge von Anfang bis Ende, ohne Anzeichen einer Verweichlichung. Ein Mann, der für das Gute kämpft, indem er böse Sachen tut. Unterstützt wird dies durch die Tatsache, dass er nicht einmal im ganzen Film seinen Helm abnimmt. Nein, man bekommt lediglich sein charmantes, unrasiertes Kinn mitsamt böswillig verzogenem Mund zu sehen. Karl Urban hatte demzufolge wohl eher keine Probleme mit situationsbezogener Mimik, gleicht dies allerdings mit seinem Auftreten wieder aus. So steht er wie eine Eins, bewegt sich wie ein unzerstörbarer Roboter und kämpft mit der Durchschlagskraft eines Vorschlaghammers.

dredd-szenenbild

„Dredd“ ist sehr brutal. Hier fliegen im wahrsten Sinn die Fetzen. Menschen werden gehäutet, fallen aus mehreren Metern Höhe auf den Boden und zersplattern, Köpfe explodieren und Kehlköpfe werden in Großaufnahme eingeschlagen. Selten war ein 18er-Siegel so angebracht wie bei diesem Film. Für Freunde des härteren Vollzugs ist „Dredd“ ein Fest. Doch selbst wenn das Lebenselixier nur so sprudelt, es ist lediglich Mittel zum Zweck. Der Film soll nicht vorwiegend Gorehounds befriedigen, sondern legt sein Hauptaugenmerk auf diesen Mann und seine Schülerin. Zwei Judges die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch harmonieren. Und während Judge Dredd einfach nur voranmarschiert, durchlebt Judge Anderson eine Wandlung vom schüchternen Gedankenleser hin zur skrupellosen Gesetzeswüterin, äh -hüterin. Kein Wunder, sie hatte ja auch ein „gutes“ Vorbild. Nicht ganz so gut ist Lena Headey, die die völlig verrückte Ma-Ma gibt. Naja, sagen wir geben möchte. Denn so abgedreht sie auch aussieht, so flach bleibt ihre Leistung. So ganz kaufe ich ihr die Rolle der geistesgestörten Wildkatze nicht ab, aber immerhin hat sie richtig toll zerwuselte Haare.

Style ist alles! Slo-Mo ist die Kameradroge schlechthin. Während sie im Film die Gehirnaktivitäten der Süchtigen verlangsamt, wirkt sie sich beim Zuschauer auf die Bildgeschwindigkeit aus. Diese Zeitlupenaufnahmen sind optisch erste Sahne und so noch nicht dagewesen. Ob nun im Schneckentempo Wangen durchschossen werden oder die böse Ma-Ma in der Badewanne einen wunderschönen Wasserschwall in die Luft schleudert, Zeitlupe war selten schöner.

Natürlich könnte man sich beschweren, dass sich das gesamte Geschehen in einem übergroßen Hochhaus abspielt und deshalb die Abwechslung Siesta feiert. Zum Glück ist das aber nicht so. Die unterschiedlichen Stockwerke sehen sich zwar zumeist sehr ähnlich, werden aber immer wieder in ein anderes Licht getaucht, sodass ein optisch ansprechender Neon-Look entsteht, der das zumeist schmutzige Zukunftssetting etwas hervorhebt.

Film-Fazit

Gegen Judge Dredd sieht Chuck Norris alt aus.

„Dredd“ vs. „Judge Dredd“ vs. „The Raid“

Meine Filmkritik ist durch. Zeit, noch kurz auf diese 3 Filme einzugehen und wie sie zueinander stehen. Zuerst einmal zu „Dredd“ und „The Raid“. Beide Filme haben den Kampf durch ein Hochhaus, hoch in den obersten Stock, gemein. Ohne wenn und aber kann man hier von einem Plagiat sprechen. Welcher von beiden das aber ist, kann man nicht so genau sagen. Und um ehrlich zu sein sollte man das auch gar nicht so eng sehen. Jeder Film für sich ist absolut sehenswert. Denn wo in „The Raid“ Kampfkünstler sämtliche Gelenke verdrehen, steigt dank „Dredd“ die Produktion für Patronen.

Und wie ist das nun mit „Dredd“ vs. „Judge Dredd“? Welcher Film besser ist kann ich nicht sagen. Hier sollte man auch weniger den humorvollen Vorgänger mit dem ernsten Nachfolger vergleichen, sondern die beiden Hauptdarsteller. Während Sylvester Stallone in seiner Rolle einfach nur kultig ist, dafür aber überzogen und unfreiwillig komisch wirkt, ist Karl Urban der harte Knochen, den man sich in dieser „Ritterrüstung“ vorstellt. Jeder ist für sich ein Unikat.

Blu-ray

Bild

Zuerst einmal zu den positiven Aspekten: Es gibt sehr viele, unglaublich scharfe Aufnahmen, sowie ein durchgängig sehr plastisches Bild, das wir wohl der verwendeten 3D-Technik zu verdanken haben. Und nun zum bitteren Part: Oftmals scheinen Weichzeichner eingesetzt worden zu sein, die vor allem bei Großaufnahmen mancher Gesichter negativ auffallen. Die vielen dunklen Szenen wirken leicht unscharf, was der starken Körnung geschuldet ist. Hier hätte man deutlich mehr Arbeit reinstecken müssen.

Was bleibt, ist ein akzeptables Bild, das zu 50% sehr gut ist, zu 50% unverständlicherweise nur Durchschnitt.

Ton

Hier trumpft die Blu-ray. Die bedrückende Atmosphäre in den Gängen des Hochhauses wird durch unzählige Surround-Effekte unterstützt, die absolut präzise eingesetzt werden. Ständig knistert es irgendwie, Türen schlagen auf oder gehen zu und Kugeln schlagen genau da ein, wo man sie auch erwartet. Dazu gesellt sich der rockige Soundtrack, der mehr als treibend im ganzen Raum ertönt. Schön ist auch, dass sowohl der englische, als auch der deutsche Ton gleich hochwertig klingen. Alles scheint glasklar. Das Problem ist nur der krasse Unterschied zwischen Action und Gesprächen. Im Flüstermodus unterhalten sich die Darsteller, während dem Hörsturz nahe irgendwo die nächste Explosion ertönt. Hier hätte etwas mehr Feintuning definitiv nicht geschadet.

Extras

Es gibt mehrere kurzweilige Featurettes, die allesamt sehenswert, mir persönlich aber nicht ausführlich genug sind. Am gelungensten fand ich noch das „Slo Mo“-Featurette, das uns einen Einblick in die Entstehung des Effekts bietet. Interessant ist auch „Dredd: 2000 AD The Original“, das den Bezug zwischen Comic und Film herstellt. Der Rest ist in Ordnung und schnell gesichtet. Insgesamt kein Oberknaller, aber zumindest etwas. Positiv: Wendecover!

Fazit

„Dredd“ ist eine Actiongranate allererster Güte. Schade nur, dass es vermutlich nie zu einem zweiten Teil kommen wird. Aber darüber muss man unbedingt hinweg sehen, da sich dieser Film auf Blu-ray absolut lohnt, wenngleich Bild und Ton nicht immer zu überzeugen wissen.

© 2012 UNIVERSUM FILM GMBH

Dominik

Filmfan, Comicfan, Scorefan... Medienfan im Allgemeinen. Unterhaltung wird bei mir groß geschrieben, der Anspruch darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen. Mehr zu mir

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2 Responses

  1. donpozuelo sagt:

    Wirklich ein geiler Streifen… der mir persönlich auch sehr viel besser gefällt als das Original. Der hatte zwar auch was, aber im neuen Film ist Dredd wirklich einfach nur eine unglaublich fiese coole Sau.

  2. Baller-Action satt: wer bisher mit den eher jugendgerechten Comic-Filmen Marke „Spider-Man“ und „Hellboy“ nur wenig anfangen konnte, dürfte sich im düsteren Universum eines „Dredd“ offensichtlich wohlfühlen. Hier wird auf Tiefgründigkeit, Charakterentwicklung und Spannung weitestgehend verzichtet und ein Baller-Event der Extraklasse verbraten. Da spritzt das Blut und da zerfetzen Körperteile, ganz zur Freude des erwachsenen Filmfreundes, der mit den zwar wortkargen, aber umso zynischeren Floskeln „Dredds“ so seinen absurden Spaß haben dürfte. Umso unverständlicher, dass sich diese originalgetreuer Comic-Verfilmung kaum an den internationalen Kinokassen durchsetzen könnte. „Dredd“ dürfte somit als waschechter Kinoflop des Filmjahres 2012 gelten und so schnell keine Fortsetzung spendiert bekommen – absolut schade.
    Wir haben uns unglaublich kurzweilig unterhalten gefühlt, sodass wir den Film uneingeschränkt empfehlen können. Auf jeden Fall, der bessere „Raid“ 😉

    Fazit: 8/10 Punkte

    Eine umfangreiche Besprechung ist aktuell auf dem Filmchecker-Blog nachzulesen!

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